Mannheim
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  1. 1885-01-01 · 1885 · page 4

    weite Ausdehnung des Gedächtnisbegriffs. Bald sprechen wir vom Gedächtnis, als ob es ein Raum, ein Behältnis sei, in welchem unsere Gedanken gleichsam aufgespeichert seien, bald setzen wir es dem Bewußtsein gleich, bald brauchen wir es in e…

  2. 1885-01-01 · 1885 · page 5

    …in Fichte's Zeitschrift für Philosophie. Jahrgang 1881 p. 298. 2) Die älteste Abhandlung über das Gedächtnis stammt von Aristoteles, im übrigen hat von den mnemotechnischen Schriften abgesehen, erst die Neuzeit begonnen, sich mit dem Gedächtnis in bes…

  3. 1885-01-01 · 1885 · page 6

    - 6 - Indem wir nun den Begriff des Gedächtnisses festzustellen suchen, schlagen wir einen andern Weg ein als den gewöhnlichen, der vom Zusammenhang des Körpers und der Seele ausgeht und mithin nur auf Vermutungen sich stützen kann. Wir ben…

  4. 1885-01-01 · 1885 · page 7

    genommenen in irgend einer Form bewahrten, und aus diesen die Vorstellung im Bewußtsein selbstthätig erzeugten, auch ohne daß während dieses letzteren Vorgangs der Gegenstand noch weiter angeschaut wurde. Die Vorstellungen werden also im Be…

  5. 1885-01-01 · 1885 · page 8

    - 8 - Bedeutung desselben hinausgeht. Denn wenn wir auch in gewissen Vorgängen in den einfachsten tierischen Organismen die erste Stufe einer Reihe erblicken, die zu den höchsten Leistungen des Menschen führt, so müssen wir dieser Leistung …

  6. 1885-01-01 · 1885 · page 9

    Arbeitsleistung überhaupt gegeben sind, doch sie ist wegen dieser unserer Wahrnehmung noch nicht ein und dasselbe mit anderen Vorgängen, die wir bald da, bald dort erblicken. Noch eine andere Erscheinung ruft die Uebung hervor: die Bewegung…

  7. 1885-01-01 · 1885 · page 10

    - 10 — das Eisen hart und das Eis kalt sei.^) Diese Vorstellungen werden uns so geläufig und so selbstverständlich, daß wir in ihrer Wiederkehr gar keinen Gedächtnißakt mehr bemerken. Und man wird sehr leicht erkennen, daß der menschliche G…

  8. 1885-01-01 · 1885 · page 11

    — 11 — Wir geben an dieser Stelle die Bemerkungen Kußmauls wieder, die er über die körperlichen Bedingungen des Gedächtnisses ausstellt: 1) Versorgung der Nerven mit ausreichendem Nährmaterial. Erschöpfung durch Mangel an Nahrung, übermäßig…

  9. 1885-01-01 · 1885 · page 12

    — 12 — organe geben, zeichnen wir nur einen ganz allgemeinen Umriß, wie es die Natur dieser Abhandlung erfordert. Verfolgen wir die nervösen Leitungen von den Sinnesorganen aus, so bemerken wir, daß sie sämmtlich in der Großhirnrinde endige…

  10. 1885-01-01 · 1885 · page 13

    — 13 — Jedoch bevor wir uns zn der Beteiligung des Bewußtseins an dem Gedächtnis wenden, haben wir uns mit der Frage zu beschäftigen, wie weit das Lebensalter für die Entwicklung dieser Erscheinung in Betracht kommt. Denn es liegt die Vermu…

  11. 1885-01-01 · 1885 · page 14

    — 14 - Wir müssen also annehmen, daß das Gehirn des Kindes in einem gewissen Alter von besonderer Empfänglichkeit und von besonderer Fähigkeit ist, Eindrücke zu behalten. Wie erwähnt scheint im siebenten Lebensjahre die Receptivität ihren H…

  12. 1885-01-01 · 1885 · page 15

    — 15 - Wir wenden uns also zu der Beteiligung des Bewußtseins an der Erscheinung des Gedächtnisses und untersuchen die Frage, in welchem Zustande dasselbe sein muß, wenn eine geregelte Gedächtnisthätigkeit stattfinden soll. Zweite Abteilung…

  13. 1885-01-01 · 1885 · page 16

    — 16 — Eine Wechselwirkung zwischen Organismus und Bewußtsein ist jedoch nicht zu verkennen, andererseits ähneln Erscheinungen des Bewußtseinsverlaufs den Prozessen in der organischen Welt. Wenn eine Vorstellung wiederholt in mir erscheint,…

  14. 1885-01-01 · 1885 · page 17

    — 17 — Unsere Gewohnheiten bestehen ebenfalls aus Handlungen, die ursprünglich mit Bewußtsein gepaart waren; wir haben nicht nöthig auseinander zu setzen, daß diese Handlungen derartig automatisch werden, daß wir Angewöhnungen nicht bemerke…

  15. 1885-01-01 · 1885 · page 18

    — 18 - empfinden Kinder oft nach Jahren eine panische Furcht vor Tieren, von denen sie in zarter Kindheit ein Leid erfahren, so bewirkt oft schon der bloße Name einer schreckhaften oder verderblichen Erscheinung eine Verwirrung, die oft lan…

  16. 1885-01-01 · 1885 · page 19

    — 19 — Apperception. Jedoch müssen wir bei dieser zweiten Art des Verhaltens unseres Bewußtseins noch den Zustand unterscheiden, in welchem wir nur ausmerksam sind, ohne eine weitere Bearbeitung des Wahrgenommenen in unserm Bewußtsein vorzu…

  17. 1885-01-01 · 1885 · page 20

    - 20 - sensorisches und apperceptives Gedächtnis den beiden Erscheinungsformen des Bewußtseins: als ein bloßes Aufnehmen (Reception) und als Beziehung des Selbstbewußtseins zu dem Aufgenommenen (Apperception), mithin dürfte dieser Einteilun…

  18. 1885-01-01 · 1885 · page 21

    — 21 — Das sensorische Gedächtnis erscheint ferner da, wo Vorstellungen mit unabänderlicher Gewalt das Bewußtsein beherrschen, wie es bei den Trieben der Fall ist. Der Erhaltungstrieb, der Zerstörungstrieb zeigen solche Erscheinungen, welch…

  19. 1885-01-01 · 1885 · page 22

    — 22 — innere Reizung, doch nun treffen sie auf Verständnis und sind von bedeutender, oft entscheidender Wirkung für das ganze Leben. Eindruck verbindet sich mit Eindruck in den verschiedensten Graden des Bewußtseins und des Verständnisses,…

  20. 1885-01-01 · 1885 · page 23

    - 23 - II. Das apperceptwe Gedächtnis Kapitel I. Das Gedächtnis und die GeWswalMehnmngen. Die umgebende Außenwelt tritt an den in der Entwicklung begriffenen Geist weder mit ihrem ganzen Umfang und Inhalt noch mit der Stärke des Eindrucks o…