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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 13

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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IRI
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— 13 — Jedoch bevor wir uns zn der Beteiligung des Bewußtseins an dem Gedächtnis wenden, haben wir uns mit der Frage zu beschäftigen, wie weit das Lebensalter für die Entwicklung dieser Erscheinung in Betracht kommt. Denn es liegt die Vermutung nahe, daß das Wachstum des Gehirns auf die Ausbildung der Gedächtnisthätigkeit von besonderem Einfluß ist, wie auch die Abnahme des Gedächtnisses im Greisenalter wesentlich von organischen Veränderungen verursacht ist. Kapitel II Das Gedächtnis in dem Kindesalter. Das Kindesalter umfaßt in Ländern mit gemäßigtem Klima zwei Abschnitte: 1) das eigentliche Kindesalter bis zum 8. Jahre, 2) das Knaben- (Mädchenalter) bis zum 14. Jahre. Vergleichen wir die Ergebnisse der physiologischen und der pädagogischen Betrachtungsweise, so ergiebt sich, daß bereits zwischen dem 3ten und 4ten Lebensjahre eine hohe Empfänglichkeit des Gedächtnisses vorhanden ist, die wahrscheinlich bis zum 7ten Jahre sich steigert und von diesem bis ungefähr zum 12ten Jahre sich gleich bleibt. Diese Fähigkeit der Aneignung ist bereits im 3ten Jahre eine oft ganz erstaunliche. Ihre falsche Verwendung Seitens der Erziehung ist von den schlimmsten Folgen begleitet. Die hohe Aneignungsfähigkeit des Kindes in der Zeit, wo der Organismus besonders empfänglich ist, führt häufig die Eltern und manchmal auch Erzieher von Fach zu einer Ueberladung des kindlichen Gedächtnisses, die sowohl für die körperliche als die geistige Entwicklung schädlich ist.^) Wir geben im nachfolgenden die physiologischen Resultate: Man hat berechnet, daß das Gehirn vom zweiten Lebensjahre bis zum vollendeten Wachstum nur noch um ein Sechstel seiner Masse zunimmt, während es vor diesem Alter überaus rasch zuuahm uud vor allen andern Körperteilen hinsichtlich seines Gewichtes, seiner Masse, seines Wachstums hervortrat. Dann tritt vom zweiten, resp. dritten Jahre ein gewisser Abschluß in der bis dahin sehr starken Entwicklung des Gehirns ein und von da ab wird eine erhöhte Einwirkung auf das geistige Leben des Kindes möglich. - Vierordt bemerkt hierüber folgendes: Unsere Erinnerungen an die erste Kindheit reichen kaum in das dritte Jahr zurück; ein einzelnes oder einige wenige Erlebnisse dieses Jahres können in verblaßter Erinnerung zeitlebens aufbewahrt sein, wobei es sich durchaus nicht immer um besonders ausfallende Ereignisse sondern öfters um ganz geringfügige Dinge handelt. An das vierte Jahr knüpfen fich schon etwas reichlichere, an das fünfte bereits eine ganze Anzahl mehr oder weniger deutliche Einzelerinnerungen. Mit Unrecht würde man daraus auf eine geringe Stärke des geistigen Lebens überhaupt schließen.--„Wenn aber das einfach Sinnliche die Aufmerksamkeit des Kindes ganz vorzugsweise erregt, so muß auch das Gedächtnis zunächst auf diesem Gebiete am meisten entwickelt sein; mir ist ein Fall bekannt, daß ein 3 jähriger Knabe nicht blos die Namen sämmtlicher Wirbelthiere des Rebau'schen Atas erlernt, sondern auch, durchaus absichtslos, zugleich die Reihenfolge der Abbildungen in der Art sich eingeprägt hatte, daß er nahezu fehlerfrei von jeder der 300 -400 Abbildungen die Namen der Nachbartiere aus dem Gedächtnis anzugeben wußte."!) Em lehrreiches Beispiel giebt die Geschichte der Pädagogik an den Kunststücken Basedow's, dessen Emilie im Alter von 3Vs Jahren drei Sprachen las! Statt diese Kunststücke an einem Kinde zn vollbringen, gebe man demselben kleine Lieder, kleine Erzählungen und übe das Behalten von einzelnen wichtigen Erscheinungen der Außenwelt, die Namen, das Aussehen von Pflanzen, Tieren u. s. w., kurz: man übe, wie Niemeyer bemerkt, das Einzelne. 2) Vierordt, Physiologie des Kindesalters bei Gerhardt, Handbuch der Kinderkrankheiten, Tübingen 1877 Bd. 1 pag. 210.

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