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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 20

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
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- 20 - sensorisches und apperceptives Gedächtnis den beiden Erscheinungsformen des Bewußtseins: als ein bloßes Aufnehmen (Reception) und als Beziehung des Selbstbewußtseins zu dem Aufgenommenen (Apperception), mithin dürfte dieser Einteilung eine innere Berechtigung nicht abzusprechen sein. Abschnitt III. Die Arten des Gedächtnisses. I. Das sensorische Gedächtnis. Unter sensorischem Gedächtnis verstehe ich die Form der Aneignung, bei welcher das Bewußtsein in einem passiven Zustand ist. Dieses gilt sowohl von der Aufnahme der Sinneseindrücke als von der Erneuerung derselben. Zur Klasse des sensorischen Gedächtnisses rechne ich die Erneuerung von Empfindungen des Geruchs¬ und des Geschmacksorgans, die Empfindungen des Muskelsgefühls, der Druckempfindungen, der Temperaturempfindungen, insofern eine von den Sinneseindrücken unabhängige Erneuerung derselben möglich ist. Bei den Geschmacks- und Geruchsempfindungen scheint uns dieses insofern möglich zu sein, als schon der Anblick einer Speise, ja selbst die bloße Vorstellung derselben eine Empfindung hervorrufen kann. Auf diese Weise sind Sinnestäuschungen in Bezug auf das Haut- und Muskelgefühl zu erklären — wir glauben einen Schmerz schon bei der bloßen Erinnerung an das betr. Ereignis wieder zu empfinden. Zu den Äußerungen des sensorischen Gedächtnisses gehört mithin die Erneuerung derselben Gefühle bei dem Wiederbewußtwerden von Vorstellungen, die wir bei der Wahrnehmung bildeten. Die Erinnerung an eine Enttäuschung erfüllt uns mit Bitterkeit, die Erinnerung an einen Erfolg erfüllt uns wieder mit Freude; beide wirken von neuem auch auf unser körperliches Befinden. Auch diese Erinnerungen verblassen so gut wie die einzelnen Vorstellungen. Wir werden zu dieser Art der Erinnerung die Wirkungen der körperlichen Strafe rechnen, welche dazu bestimmt ist, den Menschen vor einer Wiederholung seiner tadelnswerten Handlung abzuhalten. Ob ein Kind bei dem Anblick eines Obstbaumes, den es um einige Äpfel beraubt, die Schmerzen der Schläge, die es für seine That empfangen, wieder empfindet? Wir glauben, daß die körperliche Strafe in so starkem Maße gegeben sein müßte, um eine Wiedererneuerung des Schmerzgefühls hervorzurufen, daß unter allen Umständen eine derartige körperliche Züchtigung eines Kindes auszuschließen ist. Zur Besserung eines Kindes kann sie also nicht dienen, da diesem doch eine heftige körperliche Züchtigung erspart bleiben soll, eine schwache körperliche Züchtigung aber jedenfalls keine Schmerzerneuerung zur Folge hat. Zu dem sensorischen Gedächtnis rechne ich ferner die Erneuerung farbiger Gesichtsbilder. Bei Kindern scheint diese Art des Gedächtnisses allgemein zu sein, doch im späteren Leben verlieren viele Personen die Gabe, sich eine Farbe vorzustellen, völlig, namentlich Gelehrte, die abstrakte Wissenszweige verfolgen. Bei Malern ist diese Art des Gedächtnisses selbstverständlich am häufigsten entwickelt. Auch die Erinnerung von Tönen, die oft mit wunderbarer Beharrlichkeit tagelang uns umgaukeln, gehört zu den Erscheinungen des sensorischen Gedächtnisses. In Hinsicht auf die Erneuerung der Vorstellungen, trägt das sensorische Gedächtnis den Charakter der Zufälligkeit. Diese erkennen wir an der Erneuerung der Vorstellungen im Traum, im Fieber, in den Störungen des Bewußtseins und auch in dem Spiel der Phantasie, wenn diese ohne Regelung durch unsern Willen sich dem zufälligen Auftauchen der Vorstellungen hingiebt.

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