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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 12

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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IRI
…/9643684-3089724--0965-3090807
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— 12 — organe geben, zeichnen wir nur einen ganz allgemeinen Umriß, wie es die Natur dieser Abhandlung erfordert. Verfolgen wir die nervösen Leitungen von den Sinnesorganen aus, so bemerken wir, daß sie sämmtlich in der Großhirnrinde endigen. Das große Gehirn erfüllt den größten Teil der Schädelhöhle (vorn und oben), es zerfällt in zwei Hälften, die Gehirnhemisphären. Jede Hälfte zerfällt in drei Lappen, in den vordern, mittleren und Hinteren Lappen. Wir bemerken eine graue und eine weiße Nervenmasse, die Großhirnrinde wird gebildet aus dem Rindengrau, welches hier eine Art Rinde um die weiße Substanz bildet. Gehirn und Rückenmark bestehen in ihren mikroskopischen Elemeneten aus einer Anhäufung von Zellen und ihren Fortsätzen. Diese Zellen, die Nerven oder Ganglienzellen, haben meist ein farbloses blasses Aussehen, sie sind mit einem Kern versehen. Ihre Größe ist wechselnd, einige werden von dem unbewaffneten Auge als weiße Punkte gesehen, im allgemeinen sind sie nur dem bewaffneten Auge sichtbar. Die Zellen und ihre Fortsätze (Fibrillen, aus denen die. Nervenfasern, gleichsam die Telegraphendrähte hervorgehen) sind eingebettet und werden zusammengehalten durch ein Gebilde aus der Gewebsgruppe der Bindesubstanz. Störungen an bestimmten Stellen der Großhirnrinde haben auffallende Störungen des Gedächtnisses zur Folge. Diese Erscheinung ist ein Beweis dafür, daß an diesen Stellen die Sinneseindrücke lokalisiert sind, d. h. daß sie dort und nirgends anders eine Einwirkung auf die Centralorgane hervorrufen und daß sie von dieser Stelle aus bewußt werdend) Wir nehmen als bewiesen an, daß jeder Reiz, der auf die Sinnesorgane wirkt, in den elementaren Bestandtheilen der Centralorgane innere Zustände hervorruft, durch welche die Erneuerung der Vorgänge ermöglicht wird, die bei jeder einzelnen Wahrnehmung stattfanden. Es ist aber jedenfalls durch die erwähnten Vorgänge nur bewiesen, daß wie Wundt treffend bemerkt, „an der Stirnregion des Gehirns Elemente gelegen sein müssen, die den physiologischen Vorgängen, welche die intellektuellen Thätigkeiten begleiten, unerläßliche Zwischenglieder abgeben. (Wundt a. a. O. p. 217). An diesen Stellen des körperlichen Organismus entschwindet uns jede Spur des sinnlichen Eindrucks, und keine noch so geistreiche Lehre, die auf den großen Entdeckungen der jüngsten Vergangenheit beruht, vermag uns Aufschluß zu geben, wie der Vorgang von den Centralorganen aus ins Bewußtsein tritt. Wir sind ferner der Ansicht, daß man bei der physiologischen Entwicklung der Lehre vom Gedächtnis dem Verhalten des Bewußtseins selbst zu geringe Beachtung geschenkt hat und betrachten es als ein Verdienst Kochs, unter Anerkennung der großen Bedeutung der Großhirnrinde, dem Bewußtseinszustande, namentlich der Besonnenheit und der Unterscheidung, sowie dem Erfordernis einer Hemmung, die thatsächliche Bedeutung für das Neuentstehen und den Verlauf der Vorstellungen gewahrt zu habend) Der Bewußtseinszustand wird nicht allein durch organische Prozesse, sondern auch durch die Einwirkung der Außenwelt bedingt. Der Gang der Vorstellungen bedarf der Hemmung durch Eindrücke der Außenwelt, wo diese unvollkommen und schwach einwirkt, da herrscht das innere Leben vor, da entwickelt sich beim Kinde ein Traumleben im wachen Zustande, ganz abgesehen von dem eigentlichen Traum, der Illusion und solchen Störungen des Vorstellungsverlaufs, die wir auch nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche als krankhaft ansehen.!) Auf die Lokalisatonslehre können wir hier nicht eingehen. 2) Koch a. a. O. besonders p. 241.

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