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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 19

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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— 19 — Apperception. Jedoch müssen wir bei dieser zweiten Art des Verhaltens unseres Bewußtseins noch den Zustand unterscheiden, in welchem wir nur ausmerksam sind, ohne eine weitere Bearbeitung des Wahrgenommenen in unserm Bewußtsein vorzunehmen, etwa wie wir den Anblick einer Landschaft in uns aufnehmen; wir nennen diesen Zustand Aufmerksamkeit oder einfache Apperception, oder wir nehmen mit dem Wahrgenommenen eine Bearbeitung vor, beziehen es auf andere Wahrnehmungen, auf Vorstellungen und es entsteht eine Jdeenassociation. Diese Thätigkeit ist die verbindende Apperception. Bei dem rein receptiven Zustand sind unsere Sinne vorzugsweise beteiligt und das Bewußtsein tritt zurück. Ein Lichtstrahl, ein Schall, hat nur den Wert eines reflektorischen Reizes, d. h. er veranlaßt ein Zucken der Muskeln, aber einen Wert hat er für das Bewußtsein erst dann, wenn es sich der Quelle zuwendet, aus welcher er stammt. Eine Menge Menschen begegnen uns auf der Straße und gleiten an uns vorüber, wir sehen sie und achten nicht auf sie, aber in einem späteren Zeitpunkt erscheint in uns ein Erinnerungsbild von einer Person, die wir damals gesehen. Wir können uns zwar nicht mehr genau erinnern, wo wir sie gesehen, doch eine bleibende Nachwirkung hat auch dieser Eindruck hervorgerufen, den wir einst gar nicht beachtet. Gegen eine Menge von Eindrücken verhalten wir uns rein negativ, denn sie sind für uns so wertlos, daß sie unsere Aufmerksamkeit nicht erregen. Das Zurückbleiben solcher Eindrücke hängt nur von sensorischen Bedingungen ab, d. h. davon, ob sie die Sinnesorgane in einem Zustande trafen, der für ihre Aufnahme geeignet war, ihre Aneignung ist daher eine sensorische. Ebenso hängt die Erneuerung solcher Eindrücke von sensorischen Bedingungen ab und wir sehen daher solche Eindrücke besonders im Traum, im Fieber, überhaupt in Zuständen, in welchen das Bewußtsein von körperlichen Vorgängen bedeutend beeinflußt ist, hervortreten. Demnach wäre das Gedächtnis in ein fensorisches und in ein apperceptives einzuteilen und diese Einteilung dürfte dem tatsächlichen Hergang sowohl bei der Aneignung als bei der Erneuerung entsprechen. Ich verlasse damit die bisherige Einteilung des Gedächtnisses in ein logisches und in ein mechanisches, neben welcher oft auch ein ingeniöses Gedächtnis angenommen wird. Die folgende Ueberlegung dürfte noch weiter darthun, wie einseitig diese Einteilung ist. Die Einteilung in ein logisches, mechanisches und ingeniöses Gedächtnis entstammt der Lehre vom Memorieren und in der Beziehung auf das Memorieren hat sie Kant in seiner Anthropologie entwickelt. Sie findet sich bereits vorgezeichnet in der Art, wie Quintilian die Kunst des Lernens behandelt und entwickelte sich allmählich in den mnemotechnischen Büchern vom 16. Jahrhundert an. Von Kant hat sie die neuere Psychologie entlehnt und diese ist im Großen und Ganzen auch dieser Einteilung treu geblieben. In einigen Werken ist das ingeniöse Gedächtnis weggelassen und gewiß mit Recht, denn dieses ist nur die Kunst, das Gedächtnis zu unterstützen, keine Art des Gedächtnisses selbst. Das mechanische Gedächtnis nimmt nach der gewöhnlichen Erklärung die Eindrücke nach ihrer zeitlichen und räumlichen Ordnung auf, und gibt sie genau in dieser Ordnung wieder. Häufig findet man die Ansicht, daß die m e ch a n i s ch e Aneignung eine verständnislose Aneignung sei, doch diese Meinung ist irrig und schädlich, die mechanische Aneignung kann nicht allein mit Verständnis gepaart, sie soll es auch sein. In der logischen Aneignung verschmelzen die einzelnen Teile, nachdem wir sie oft behufs besseren Verständnisses zerlegt, zu einer Gesammtvorstellung, aus welcher wir durch die rückläufige Erinnerung die einzelnen Teile wieder erneuern dem Sinne nach, doch nicht dem Worte nach. Diese Einteilung berücksichtigt also nur die absichtliche Aneignung von Wissen, entspricht also nicht der großen Mannigfaltigkeit, den vielfachen Abstufungen, nach welchen wir Eindrücke aufnehmen und nach welchen wir sie in uns erneuern sehen. Dagegen entspricht die von uns vorgeschlagene Einteilung in

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