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Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1885-01-01 · 1885 · page 9

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Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Arbeitsleistung überhaupt gegeben sind, doch sie ist wegen dieser unserer Wahrnehmung noch nicht ein und dasselbe mit anderen Vorgängen, die wir bald da, bald dort erblicken. Noch eine andere Erscheinung ruft die Uebung hervor: die Bewegungen werden automatisch, wenn sie wiederholt eingeübt wurden. In seiner Abhandlung über das Gedächtnis bemerkt Hering über diese Erscheinung folgendes: „Die meisten Bewegungen, welche der Mensch ausführt, sind das Ergebnis langer, schwerer Einübung. Jenes harmonische Zusammenwirken der verschiedenen Muskeln, jenes fein abgestufte Maß des Anteils, welchen jeder Einzelne zur Gesammtleistung beizusteuern hat, dies alles will bei den meisten Bewegungen mühsam erlernt sein. Wie langsam findet beim Klavierspiele des Anfängers jede einzelne Note ihren Weg vom Auge zum Finger. Und andrerseits, welch' staunenswerthe Leistung ist das Spiel des Geübten. Mit der Schnelle des Gedankens löst jede Note die entsprechende Bewegung aus; ein rascher Blick auf das Notenblatt genügt, um eine Fülle von Accorden erklingen zu lassen. Ja, eine oft geübte Weise kann man sogar spielen, während man nebenbei seine Aufmerksamkeit mit allerlei anderem beschäftigt. Hier wendet sich nicht mehr der Wille an jeden einzelnen Finger um ihm die gewünschten Bewegungen abzunötigen, hier überwacht nicht mehr die gespannte Aufmerksamkeit ängstlich die Bewegungen jedes Gliedes; hier führt der Wille nur noch den Oberbefehl: ein Kommandowort und alle Muskeln gerathen in die nach Zeit und Maß geregelte Thätigkeit und arbeiten weiter, so lange es im gewohnten Geleise fortgeht, bis ein leiser Wink des Willens ihnen den weiteren Weg anweist (Hering a. a. O. P. 11)." Bei der Aneignung von Gesichts- und Gehörwahrnehmungen haben wir zwei Formen der Übung zu unterscheiden: EinPrägung und Ausübung. Bei der EinPrägung wiederholen wir so lange und so oft ein Wort, oder sehen so lange und so oft einen Gegenstand an, bis das Wort oder die Vorstellung gleichsam unser Eigentum ist. Freilich sind wir hierbei oft Täuschungen ausgesetzt. Wir glauben ein Wort uns angeeignet zu haben und einige Zeit hastet es auch in uns, dann Plötzlich ist es wieder für uns entschwunden, oft noch fällt es nach einiger Zeit uns von neuem ein, um dann vielleicht für immer uns zu entfallen. Mit einem Worte: Wir können nicht wissen, ob wir eine Kenntnis gänzlich vergessen haben oder ob sie einst wieder in uns auftauchen wird. Die EinPrägung soll uns den Besitz einer Erfahrung, einer Wahrnehmung, eines Wissens verbürgen und im allgemeinen läßt sich wohl behaupten, daß die Aneignung durch den Unterricht wiederholte EinPrägung verlangt, wenn nicht das Mitgeteilte vergessen werden soll. Von der EinPrägung unterscheiden wir die Anwendung oder Ausübung. Durch die Anwendung des Gelernten, durch die häufige Wiederholung werden die Eindrücke unserem Organismus so innig einverleibt, daß sie unverwischbar und unzertrennlich werden, ja daß sie endlich mit solcher Schnelligkeit sich zusammenfügen, daß der Denkakt uns kaum bewußt wird — es zeigt sich in dem Verlauf unserer Vorstellungen ähnliches wie bei den eingeübten Bewegungen. Sie erhalten ebenfalls durch die Wiederholung einen automatischen Charakter, d. h. die Seele kann um so leichter über sie verfügen, je öfter sie in uns wiederkehrten. Man denke nur, mit welcher Schnelligkeit unsere Gedanken sich vollziehen, nachdem die einzelnen Teile derselben erst auf dem Wege langsamer Einübung von uns erworben wurden. Indem wir lesen: „Das Kriegsschiff scheiterte an Korallenklippen" vollziehen wir auf die leichteste Weise einen Denkakt, während uns in der Schule erst die Begriffe Kriegsschiff, scheitern, Klippe, Korallenklippe ausführlich erläutert werden mußten. Sehr richtig bemerkt Spencer: „Es wäre ein verkehrter Gebrauch der Sprache, wollten wir einen andern fragen, ob er sich erinnere, daß die Sonne scheine, das Feuer brenne,

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