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214 kam ihm der Gedanke, er hätte lieber sie glücklich gesehen als all die andern wunderbaren Heirathen. Denn es herrschte eine eigenthümliche Sympathie zwischen dem alten Manne, der nun säst 70 Jahre alt war und dem jungen 24jährigen Mädch…
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215 mißfielen ihr gründlich. Besonders das unglaublich jugendliche Wesen ihrer Schwester Lea reizte sie; sie, als die jüngste, hatte die älteste Schwester immer als hoffnungsloses altes Mädchen betrachtet; nun, da Lea geheirathet hatte, war…
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216 Damit verließ sie das Zimmer. Sie suchte den alten Daniel auf, der im Speisezimmer allein am Tische saß und Cigarre aus Cigarre rauchte, zum großen Aerger der Diener, die gern die Kiste wegnehmen wollten. Pflichtschuldigst küßte sie ihr…
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217 Schluchzen zu verbergen. Vor ihm entrollte sich ihr ganzes Zusammenleben, die ersten Wochen ehelichen Glückes, dann der Kampf um die Existenz, später die Jahre steigender Wohlhabenheit, die Annehmlichkeiten und das gemüthliche Leben in …
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218 Sorge für sein Lieblingskind hielt den alten Mann noch aufrecht, sonst wäre er wohl gern seiner Sara gefolgt. — Vater und Tochter sahen sich nur bei den Mahlzeiten; er verbrachte seine Zeit mit dem Lesen von Zeitungen oder schleuderte ü…
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219 schauend, sieht er vier Wagen auf der Straße, das bestärkt seine Ahnung von Unheil noch mehr. — Dort im Empfangszimmer sitzen sie alle sechs, in ausgesuchtester Eleganz, in rauschender Seide, mit Gold und Brillanten an Hals und Arm. Nie…
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220 „Ich habe es immer gesagt", ruft Sylvia, „die Armenviertel sind gefährlich für Leute unseres Standes und Florence beschränkt sich nicht nur auf ihr eigenes Volk." Jetzt war das Eis gebrochen, die Gesichter belebten sich. „Gefährlich?" w…
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221 „Du glaubst es nicht?" spöttelte Lea. „Sie leugnet es gar nicht." „Habt ihr denn mit ihr darüber gesprochen?" „Ob wir mit ihr gesprochen haben? Sie sagt, das ganze Judenthum sei Unsinn. Sie wird uns nur Schande machen." „Sie wird also i…
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die sechs beringten Hände wie im Traum, versprach all seinen Einfluß auszubieten und als er die Reihe ihrer Wagen absahren sah, erschien es ihm wirklich wie ein Begräbniß — sein eigenes Begräbniß. VII. O Gott, daß es dahin kommen mußte! Sch…
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223 VIII. Plötzlich kam ihm eine Eingebung. Schnapse braucht nicht zu warten, bis er stirbt; er wird leben und sie glücklich sehen. Er wird vorgeben, daß es ihm keinen Schmerz bereite. — Und wird er nicht wirklich an seinen Schmerz vergesse…
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224 Schnapse hatte wieder das Gefühls sie trete auf Diamanten und Gold. Sie murmelte nur: „Wer hat es dir gesagt?" „Lea." „Lea, aber sie ist sehr böse darüber!" „Das ist wahr! Sie kam auch zu mir mit einem großen Geschrei, aber ich habe sie…
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225 Aber ihre Worte hatten einen neuen Hoffnungsstrahl entzündet, „Kannst du ihn nicht zu uns herüberbringen?" stagte er. „Wohin? In unsere leeren Synagogen?" „So wirst du also zu ihrn übergehen?" Er versuchte seiner stimme Festigkeit zu ge…
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226 aber der unheimliche Einbruch den sein jüngster Schwiegersohn aus ihn machte, verdarb alles. Zwar hatten ihm seine anderen Schwiegersöhne auch eine heilige Scheu eingeflößt, aber die Religion bildete doch eine Art Brüderlichkeit zwische…
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227 „Meschumed" (Abtrünniger) schien von den Wänden wieder zu tönen. — Er bemerkte, daß die Umstehenden das Haupt entblößt hatten, hastig nahm er seinen schäbigen Hut ab. Die ungewohnte Empfindung von Kälte an seinem Kopfe vergrößerte nur d…
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228 Arm, sie auch eine Glorie im weißen Schleier. Er erreicht dis Plattform unter dem Kreuze, dann schwimmt alles vor seinen Augen, und schaudernd sinkt er auf seinen Sitz zurück. Er saß in einer fremdartigen Betäubung, halb bewußtlos; jetz…
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229 XI. Sein zerstreutes Wesen, sein abgebrochenes Sprechen beunruhigten Schnapse außerordentlich, sie konnte aber nicht herausbekommen, ob etwas vorgefallen war. Sie blätterte in den Abendzeitungen, und plötzlich fiel ihr Auge auf eine fet…
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230 mals vorwerfen" — das Murmeln erstarb in einem Kuß auf ihre feuchte Wange. XU. In dieser Nacht schrieb Schnapse nach langem heißem Gebet einen Brief in ihrem Schlafzimmer. Theuerster Alfred! Diese Zeilen werden Dir großen Schmerz bereit…
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231 Zukunst zu bewahren, wenn dieses Volk in Wahrheit ein „erwähltes Volk" sein wird, durch welches alle Völker der Erde gesegnet werden. Vielleicht — alles ist verwirrt und chaotisch in meinem Kopse heute Nacht! Nur eines ist mir klar, ich…
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232 Hand — das ihn einst aus dem Empfangszimmer verbannt hatte, das Gesicht verrunzelt, die Augen unter der heraufgeschobenen Hornbrille roth und geschwollen vom Weinen — er hatte gebetet. „Was ist geschehen, kleine Schnapse?" „Nichts, Vate…
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Erzählung von Ulrich Kra«L. S^ie Talmudschule des Rabbi Elieser Gins war hochberühmt überall, wo Israeliten lebten und man die Wissenschaft der geheiligten Lehre sesthielt. Von Nah und Fern stellten die Schüler sich ein und es galt als beso…