Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Übergang
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 15)
- Language
- German
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221 „Du glaubst es nicht?" spöttelte Lea. „Sie leugnet es gar nicht." „Habt ihr denn mit ihr darüber gesprochen?" „Ob wir mit ihr gesprochen haben? Sie sagt, das ganze Judenthum sei Unsinn. Sie wird uns nur Schande machen." „Sie wird also in einer christlichen Kirche getraut werden?" fragte er athemlos. „O, so weit ist es noch nicht!" Sein Herz begann leichter zu schlagen. „Um unsere Gefühle kümmert sie sich ganz und gar nicht, aber natürlich wird sie nicht heirathen, so lange du lebst." Nun begann Lily: „Wir haben ihr gesagt, wenn sie einen Juden heirathet, könntest du dann abwechselnd bei einer von uns wohnen. Aber sie sagt, das ist es durchaus nicht. Du könntest mit ihr weiter wohnen, ihr Alsted hätte nichts dagegen. Sie sage dir nur nichts; denn sie will dein religiöses Gefühl nicht verletzen." „Gott segne sie, meine kleine Schnapse", murmelt er. Sein halb betäubtes Gehirn kann nicht alles fassen, bei den letzten Worten fühlt er eine Art Erleichterung. Die Gesichter seiner Töchter haben sich bei seinem Ausruf verfinstert. Er sieht es und giebt sich Mühe zu verstehen. Langsam fährt er mit den Händen über sein weißes Haar, dann sagt er: „Es ist also gut." „Gut?" wiederhalt Lea, „aber auf wie lange?" Diese Worte greifen wie eine eisige Klaue an sein Herz; Zum ersten Male in seinem Leben verwirklicht er sich die Gewißheit des Todes und gleichzeitig kommt die Furcht vor der bevorstehenden Gefahr. „Wir sind hierher gekommen", beginnt nun Lea wieder, „dir das alles zu sagen, und wir wünschen, daß du dagegen eiuschreitest und es ihr verbietest. Unsertwegen muß sie versprechen, daß sogar wenn .... Du bist der Einzige, der Einfluß auf sie hat." Sie erhob sich, wie um die schmerzliche Unterredung nbzukürzen, die Anderen standen gleichfalls auf. Er schüttelte