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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 219

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Übergang
Date
1900-01-01
Page
Seite 219 (sequence 13)
Language
German
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219 schauend, sieht er vier Wagen auf der Straße, das bestärkt seine Ahnung von Unheil noch mehr. — Dort im Empfangszimmer sitzen sie alle sechs, in ausgesuchtester Eleganz, in rauschender Seide, mit Gold und Brillanten an Hals und Arm. Niemand erhebt sich bei seinem Eintritt. Die jüdische und die christliche Gruppe sitzt gemischt, Heirath hat die alten Grenzen vernichtet. Sie sind nun alle gleichen Alters, alle jung, eine stillstehende fröhliche Jugend. Daniel bleibt an der Thür stehen und schaut von einer Zur andern. Eine verlegene Pause entsteht, eine hustet, die andere spielt mit ihrem Muff. „Setz dich doch, Vater", sagt endlich Rahel gnädig, bleibt aber ruhig im Lehnstuhl sitzen. Ihre Worte brechen das allgemeine Stillschweigen und bringen Erleichterung. Daniel läßt sich auf einem Stuhl nieder und Lea nimmt das Wort. „Wir sind gekommen, Vater, während Florrie ihre Armen besucht." „Ja, bei ihren Armenbesuchen", wiederholt Sylvia mit Betonung, und nun fliegt ein verständnißvolles Lächeln über die sechs Gesichter. „Ja, ja", murmelte Daniel. „Weil wir nicht wollen, daß sie von unserem Hiersein erfahren soll." „Es betrifft also Schnapse?", fragt er. „Ja, deine liebe kleine Schnapse," sagt Daisy boshaft. „Zu uns zu kommen, hat sie keine Zeit", ruft Rebekka, „aber für ihre Armenbesuche, da findet sie die Zeit." „Sie thut Gutes dort", murmelt er entschuldigend. „O, sehr viel Gutes", spöttelt Nahel. „Für sich selbst", verbessert Lily. Der Alte blickt verständnislos von einer zur anderen. „Ich verstehe nichts", stottert er, ihm wird immer unbehaglicher. „Nun," sagt endlich Lily, „sag du's ihm doch, Lea, du weißt mehr als wir." „Ich weiß genau so viel wie ihr."

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