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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 224

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Übergang
Date
1900-01-01
Page
Seite 224 (sequence 18)
Language
German
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224 Schnapse hatte wieder das Gefühls sie trete auf Diamanten und Gold. Sie murmelte nur: „Wer hat es dir gesagt?" „Lea." „Lea, aber sie ist sehr böse darüber!" „Das ist wahr! Sie kam auch zu mir mit einem großen Geschrei, aber ich habe sie schön abgetrumpft, ich habe ihr gesagt, was meine Schnapse thut, ist recht." „Vater", schrie sie auf und warf sich an seine Brust, ihn unter Thränen küssend; „ist denn der liebe alte Jude wirklich nicht böse?" fuhr sie halb weinend, halb lachend fort. Die List lehrte ihn Scharfsichtigkeit. „Sag mir, mein Kind, wieviel Judenthum ist eigentlich in den Männern deiner Schwestern, he? Und was nützt die Abstammung ohne Religion?" „Aber Vater, das sind ja meine Gedanken, das predige ich immer. Erinnere dich nur, was unser Judenthum in den lieben alten Tagen in Portsmouth war. Was ist der Sabbath hier? Ein Schein, ein Spott! Keiner deiner Schwiegersöhne schließt das Geschäft. — Wie schön war es dort, wenn der Sabbath kam! Langsam, leise kam er herangezogen; man hörte die Schwingen des Engels, und wenn seine strahlende Gegenwart sich uns offenbarte, ruhte heiliger Friede über dem ganzen Hause." Er hörte ihr zu mit Thränen in den Augen. Im Geiste sah er die Reihe der unschuldigen Kindergesichter um den weißgedeckten Sabbathtisch. Was hatte London und der Wohlstand ihm dafür gegeben? „Und dann der Versöhnungstag", fuhr sie fort; „wenn der Ton des Schofar zu unserem Ohre drang, erinnerte er er uns an unsere Sünden. Glaubten wir doch damals, daß nun im Himmel unser Geschick geschrieben und gesiegelt wurde. Wer fühlt hier so? Manche fasten nicht einmal." „Wahr, es ist wahr!" Plötzlich vergaß er seine Rolle. „Also bist du noch eine gute Jüdin?" Sie schüttelte traurig mit dem Kopfe. „Wir haben unser Schicksal überlebt. Unsere Absonderung ist ein bedeutungsloses Ueberbleibsel."

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