Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Übergang
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 17)
- Language
- German
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223 VIII. Plötzlich kam ihm eine Eingebung. Schnapse braucht nicht zu warten, bis er stirbt; er wird leben und sie glücklich sehen. Er wird vorgeben, daß es ihm keinen Schmerz bereite. — Und wird er nicht wirklich an seinen Schmerz vergessen, wenn er sie glücklich sieht? — Aber wird sie, kann sie glücklich sein mit dem Fremden? Da war der Zweisel. Wenn ein Streit kam, würde er ihr nicht vorwerfen, daß sie eine Jüdin ist? — Das mußte er ihr überlassen; sie war alt genug, sich nicht blindlings in's Unglück zu stürzen. — Seit Jahren hatte er ihre edle Stirn für den Sitz der Weisheit gehalten, er konnte nicht plötzlich das Gegentheil glauben. Bis Florence kam, hatte er sich für seine Aufgabe vorbereitet. IX. „Mein liebes Kind", begrüßte er sie bei ihrem Eintritt mit strahlendem Lächeln, „ich habe die freudige Nachricht schon erfahren". Das Lächeln erstarb auf ihren Lippen, sie sah ihn erschrocken an. „Sehr gut, kleine Schnapse", sagte er mit schalkhaftem Lächeln, „nun habe ich sieben Schwiegersöhne, und er ist Alfred Nr. 2". - „Du weißt, Vater?" „Gewiß", antwortete er und zog sie beim Ohr, „glaubst Du etwa. Du kannst etwas vor Deinem alten Vater verheimlichen?" „Aber weist Du denn auch, er ist — er ist . . . ." „Ein Christ. — Gewiß weiß ich es; was macht es aus, wenn er nur ein guter Mensch ist"; und er lachte geräuschvoll. Schnapse erschrak noch mehr. War ihr Vater wahnsinnig geworden? „Aber ich glaubte ..." „Du glaubtest, ich verlange, daß du dich opferst. Nein^ nein, mein Kind, wir sind nicht in Indien, wo Frauen lebendig verbrannt werden, ihren todten Männern zu Gefallen."