Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Übergang
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 20)
- Language
- German
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226 aber der unheimliche Einbruch den sein jüngster Schwiegersohn aus ihn machte, verdarb alles. Zwar hatten ihm seine anderen Schwiegersöhne auch eine heilige Scheu eingeflößt, aber die Religion bildete doch eine Art Brüderlichkeit zwischen ihnen. Diesem Alfred gegenüber fühlte er so eisige Kälte, daß alle Herzlichkeit des jungen Mannes ihn nicht erwärmen konnte. „Bist du sicher, du wirst mit ihm glücklich werden?" siagte er Schnapse ängstlich. „Gewiß, du lieber, alter Quäler!" „Aber wenn ihr euch nach der Hochzeit zanken werdet, wird er dir nicht immer vorwerfen, daß du eine Jüdin. ...?" „Dann werde ich ihm vorwerfen, daß er ein Christ ist und Frieden halten sollte." Er schwieg, aber im Herzen dankte er Gott, daß seiner Sara diese Prüfung erspart worden war. Und so kam der tragische Tag näher. X. Eine Woche vorher wanderte Daniel wie betäubt umher; eine Art Verzauberung zog ihn nach Chälk Farm, zu der Kirche, in welcher die Ceremonie stattfinden sollte. Er wollte sich die Kirche ansehen, vielleicht sogar hineingehen, um den ersten Eindruck zu überwinden, damit er sich bei der wirklichen Ceremonie nicht verrathe. — Als er sich dem kirchlichen Gebäude näherte, sah er eine große Menschenmenge durch die geöffneten Thüren eindringen, Wagen vor der Thür und ein gestreiftes Schutzdach zeigten an, daß eine Hochzeit stattfinden sollte. Das war gut. Nun war kein Zweifel mehr, er mußte hinein, er mußte wissen, wie diese unbekannte Ceremonie in diesem unbekannten Gebäude aussehen würde. Es war gleichsam eine Generalprobe, die ihn stählen würde für den tragischen Augenblick. Er wollte mit einigen anderen Männern durch die Mittelthür eintreten, aber ein Polizist wies ihn nach der Seitenthür. Schüchtern schob er sich hinein. Trotzdem es in der Kirche warm war, fröstelte ihn, das fremde Leben erkältete seine Seele. Das schreckliche Wort