Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 215

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Übergang
Date
1900-01-01
Page
Seite 215 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111072-3113005--0872-3113234
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

215 mißfielen ihr gründlich. Besonders das unglaublich jugendliche Wesen ihrer Schwester Lea reizte sie; sie, als die jüngste, hatte die älteste Schwester immer als hoffnungsloses altes Mädchen betrachtet; nun, da Lea geheirathet hatte, war sie die mädchenhafte Frau, kindisch und unwiderstehlich, und Florence war das alternde Mädchen, das vielleicht sitzen bleiben konnte. Und sie fühlte sich auch alt, zu früh gealtert durch ihr hartnäckiges Stehenbleiben bei 17 Jahren. „Du hast Recht, Lea", sagte sie nach leichtem Nachdenken, ein wenig malitiös, „morgen bin ich 24 Jahre alt. Und wie zufrieden werde ich sein", fuhr sie fort, den Schrei des Schreckens, den ihre Schwester ausstieß, nicht beachtend, „wie froh bin ich!" Sie streckte ihre Arme aus, als wollte sie gleichsam sieben Jahre des Druckes Hinwegstoßen, sobald die Schwestern nus dem Hause waren. „Hörst du es, Mutter", flüsterte Lea Mrs. Peyser zu, „diese verdrehte Florence nimmt gar keine Rücksicht aus uns, sie will morgen ihren 24. Geburtstag feiern." „Ich habe nicht gesagt, ich will es öffentlich thun", verwahrte sie sich gegen den Wuthausbruch ihrer ältesten Schwester. „Dann wird also deine Verrücktheit nur auf dich zurückfallen." Schnapse gab keine Antwort, sie hob nur ihre Schultern in der alten Ghettomanier, wie alle Schwestern sie noch an sich hatten. „Bedenke nur, Florence", sagte Mrs. Peyser, „was in Zehn Jahren daraus wird." „In zehn Jahren bin ich 34 Jahre alt, dann bin ich die Aelteste." „Gott soll mich behüten und bewahren", rief Mrs. Peyser und in ihrer Erregung vergaß sie, daß ihre Schwiegersöhne alle da waren, „Gott soll mich behüten, zu erleben, daß eine Tochter von mir 34 Jahre alt wird und nicht verheirathet ist." „Mutter, beruhige dich, ich hoffe, du wirst es erleben, denn ich werde niemals heirathen. Bemühe dich nicht um mich, ich bin nicht aus dem Heirathsmarkt. Gute Nacht!"

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.