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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 222

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Übergang
Date
1900-01-01
Page
Seite 222 (sequence 16)
Language
German
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die sechs beringten Hände wie im Traum, versprach all seinen Einfluß auszubieten und als er die Reihe ihrer Wagen absahren sah, erschien es ihm wirklich wie ein Begräbniß — sein eigenes Begräbniß. VII. O Gott, daß es dahin kommen mußte! Schnapse, seine liebe kleine Schnapse, konnte nicht glücklich sein, während er lebte. Wozu sie warten lassen? Was lag ihm an den wenigen Jahren, vielleicht Monaten? War er nicht schon todt? Fuhr denn nicht dort sein Leichenzug die Straße hinunter? Er wollte nicht mit Schnapse sprechen, obgleich er es versprochen. Die Jahre schweigenden Zusammenlebens hatten eine derartige Unterredung unmöglich gemacht. Ueber die Brücke, die von seiner Seele zu der ihren führte, hing ein heiliges Schweigen. Unter dem Gewicht von Worten, von Vorwürfen vielleicht, würde die Brücke zusamwenbrechen. Und das wäre schlimmer als der Tod. Nein, die kleine Schnapse hatte ihr eigenes Leben, und er hatte kein Recht, sie danach zu fragen, sogar, wenn sie am Rande einer Todsünde stand. Er konnte es nicht in logischer Rede ausdrücken, er war sich dessen sogar nicht klar bewußt, aber die zarte Beziehung, die zwischen Vater und Tochter herrschte, hatte ihn zu einem Gefühl ihrer normalen Gradheit erzogen^ die weiter fortlebte und fortbestand, trotzdem er überzeugt war, daß sie hoffnungslos verloren war. Nein, er hatte kein Recht, in ihr Leben, in ihre Aussichten auf Glück einzugreifen. Er mußte sterben. Schnapse war beinahe 30 Jahre alt, ihre schönste Zeit bald vorüber. Möge sie glücklich werden mit dem fremden Manne. Wenn er sich tötet, das wäre Schande für die Familie. Dann würde Alfred vielleicht Schnapse nicht heirathen. Gab es denn kein Mittel, heimlich aus dem Wege zu gehen? Aber Selbstmord ist eine Todsünde! O, warum war das nicht wirklich sein Leichenbegängniß gewesen. „Gott Israels^ hilf mir, was soll ich thun?

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