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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 216

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Übergang
Date
1900-01-01
Page
Seite 216 (sequence 10)
Language
German
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216 Damit verließ sie das Zimmer. Sie suchte den alten Daniel auf, der im Speisezimmer allein am Tische saß und Cigarre aus Cigarre rauchte, zum großen Aerger der Diener, die gern die Kiste wegnehmen wollten. Pflichtschuldigst küßte sie ihren Vater und zog sich dann in ihr Schlafzimmer zurück, wo sie bis spät in die Nacht Brownings „Liebeslieder" las- Ihre Mutter jedoch mußte sich nach diesem aufregenden Gespräch mit einem Glas Champagner stärken. V. Der armen Mrs. Peyser war es nur wenige Jahre vergönnt, sich an diesem Glücke zu erfreuen. Aber diese Jahre waren ein überschäumender Becher mit nur einem bittern Tropfen: Florences Gleichgültigkeit gegen „den jungen Mann". Umgeben von den sechs Haushaltungen, die sie begründet, athmete sie diese Atmosphäre von gesegnetem Kinderreichthum, das wahre Lebenselement der jüdischen Frau; Kinder kamen fast in jedem Monat. Die religiösen Ceremonien für diese jungen Ankömmlinge oder Verordnungen für deren Gesundheit nahmen ihre ganze Zeit in Anspruch. Nur der Sommer trat dieser übertriebenen Großmutterliebe gewöhnlich hindernd in den Weg, da all die Sprößlinge nach verschiedenen Seebädern gebracht wurden. So kam es, daß der Sommer ihres Todes sie noch in London fand: sie hatte eine starke Erkältung und Daniel und Schnapse waren die einzigen, die noch mit ihr in der Stadt weilten. Und ehe noch die andern gerufen werden konnten, schied Mrs. Peyser in Frieden in dem alten Portsmouth-Bette, über welchem das alte biblische Bild hing, das aus dem Eßzimmer verbannt worden war. Es war ein eigentümliches Ende. Sie hatte keine Ahnung von ihrem Zustande, wußte nicht, daß sie im Sterben war, und Daniel wollte sie nicht mit der traurigen Wahrheit bekannt machen, aber er wollte sie nicht sterben lassen, ohne daß sie das Schema Jisroel gebetet hatte. So saß er an ihrem Bett und beobachtete in Todesangst ihre Züge. Er weinte bitterlich, versuchte jedoch sein

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