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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 214

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Übergang
Date
1900-01-01
Page
Seite 214 (sequence 8)
Language
German
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214 kam ihm der Gedanke, er hätte lieber sie glücklich gesehen als all die andern wunderbaren Heirathen. Denn es herrschte eine eigenthümliche Sympathie zwischen dem alten Manne, der nun säst 70 Jahre alt war und dem jungen 24jährigen Mädchen. Sie sprachen selten miteinander, und wenn, nur über Gemeinplätze, aber es schien ihm, als ob ihre bloße Gegenwart eine wärmere Atmosphäre um ihn verbreite. Und sie, sie hatte ein Verständniß, was das Leben sür ihn gewesen war von ihrer Geburt, das Wirken und Schaffen, die Arbeit, die die Grundlage war zu dem jetzigen Reichthum. Sie errieth, wie einsam er sich fühlen mußte in dem eleganten Hause, wie er sich zurücksehnte nach dem einfachen Hause in Portsmouth, hinter den Ladentisch, wo er seine Tage verbracht, nach den einfachen alten Zimmern, wo er seine Gebete laut singen und sagen durfte. Und lange, nachdem die andern Kinder aufgehört hatten, ihn zur Gute Nacht zu küssen, bot sie ihm den Gute Nachtkuß, theils, weil sie das „Baby", theils, weil sie fühlte, daß diejer Kuß in seinem Leben zählte. Schnapse hatte das endlose Warten, das traurige Handeln und Feilschen um einen Mann miterlebt; ihr schauderte vor dem tragischen Leben der Frau. Sie bedauerte, daß sie so schnell wuchs, sie fühlte, es sei beschämend für ihre älteren Schwestern. Deshalb trug sie willig kurze Kleider und ihr langes rabenschwarzes Haar in einem Zopfe über den Rücken hängend, bis man ihr erlaubte, erwachsen zu sein. „Nun ist die Reihe an dir, Florence", sagte Lea, nachdem der letzte Fremde nach der Hochzeit das Haus verlassen, „beeile dich nur". „Ich habe es nicht nöthig", erwiderte Florence, „da niemand nach mir kommt, kann ich mir Zeit lassen." „Sei nur nicht zu anmaßend", sagte Lea und spielte mit ihren Brillantringen. — „Uebrigens warum besuchst du mich garnicht?" „Ihr seid so viele" antwortete Florence, „es dauert so lange, bis die Reihe herum ist." Florence war nicht wie ihre Mutter entzückt und beglückt von den verschiednen Schwägern, den Anwälten, Banquiers etc., und die frauenhaften Airs, die ihre Schwestern sich gaben.

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