Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 3 (1900)
- Article
- Übergang
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 26)
- Language
- German
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232 Hand — das ihn einst aus dem Empfangszimmer verbannt hatte, das Gesicht verrunzelt, die Augen unter der heraufgeschobenen Hornbrille roth und geschwollen vom Weinen — er hatte gebetet. „Was ist geschehen, kleine Schnapse?" „Nichts, Vater. Ich wollte dich nur fragen, ob du so gut sein willst, diesen Brief noch heute Nacht in den Kasten zu werfen?" * „Ob iä) so gut sein will? Gewiß! Die frische Nachtluft wird mir gut thun." Er nahm den Brief und las die Adresse. „Aha" sagte er, und versuchte ein scherzhaftes Lächeln, „wir können also nicht einen Tag vorübergehen lassen, ohne an ihn zu schreiben." Sie erbebte unter diesem unvorhergesehenen Mißverständnis. „Nein", sagte sie mit wiedergewonnener Fassung, „wir können nicht einen Tag vorübergehen lassen." „Geh nun zu Bett, mein Kind, du siehst blaß aus. Wenn du so spät ausbleibst und Briefe schreibst, wird dein Alfred keine schöne Braut haben." „Er wird keine schöne Braut haben", wiederholte sie leise. Sie hörte, wie er leise und vorsichtig die Thüre schloß, und aus ihren Augen flössen beseligende Thränen, wenn sie an die Freude dachte, die ihn bei seiner Rückkehr erwartete.