Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1900-01-01 · 3 (1900) · p. Seite 217

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
3 (1900)
Article
Übergang
Date
1900-01-01
Page
Seite 217 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111072-3113005--0874-3113236
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

217 Schluchzen zu verbergen. Vor ihm entrollte sich ihr ganzes Zusammenleben, die ersten Wochen ehelichen Glückes, dann der Kampf um die Existenz, später die Jahre steigender Wohlhabenheit, die Annehmlichkeiten und das gemüthliche Leben in Portsmouth, bevor sie eine große Dame und er eine unbedeutende Person geworden war. Und in seine Erinnerungen mischte sich Mitleid mit sich selbst und Bewunderung ihrer guten Eigenschaften. Er gedachte der Kinder, die sie ihm geboren, ihrer Sparsamkeit im Haushalte, der guten Geschäfte, die sie mit Soldaten und Seeleuten abgeschlossen, der späteren Pracht ihrer gesellschaftlichen Vollkommenheit. Und Schnapse weinte über die Nichtigkeit dieser beiden Existenzen, denen sie ihr eigenes leeres Dasein verdankte. Plötzlich verglasten sich Mrs. Peysers Augen- und Daniel, der das in Verzweiflung beobachtete, wisperte halb unsinnig vor Schmerz: „Sarah, sag' das Schema Jisroel." „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig und einig!" sagten ihre Lippen gehorsam. Noch einmal öffnete Mrs. Peyser ihre Augen und ein wunderbares mütterliches Gefühl leuchtete aus denselben, als sie das weinende Mädchen sah. „Weine nicht, Florrie", sagte sie beruhigend in ihrem lange nicht gebrauchten Jargon, „weine nicht, ich' werde einen Bräutigam,für dich finden." Ihre Augen schlossen sich und Schnapse schauderte vor dem Bilde eines Bräutigams aus dem Todtenlande. VI. Nachdem seine Sarah im „Haus des Lebens" beigesetzt worden war, und ein schöner Grabstein all' ihre Tugenden verkündete, wurde es furchtbar traurig und öde für den alten Daniel. Er war nun ganz allein mit Schnapse in dem großen Hause, das vor nicht langer Zeit noch die ganze Familie beherbergt hatte, und aus dem der Duft von Parfüm und Puder noch nicht entschwunden war. Nur die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.