Mannheim
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  1. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 266 · Hass und Rache

    266 streckten sich die grasigen Weiden hin, von leuchtendem Grün bedeckt, darin es in allen Farben wie von Edelsteinen funkelte. Das Blöken der Heerden, das Tönen der Hirtenflöte, das Murmeln des Baches, wenn er an die Kiesel des Ufers leis…

  2. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 267 · Hass und Rache

    267 sagen? Er wird ihm neidisch sein — o, das ist recht! ich will ihn ermuthigen, er soll ihn beneiden, Eifersucht'erhöht die Neigung . . . Was fiir köstliche, zum Küssen wie geschaffene Lippen! welch eine Hand, wie die der verwöhntesten Da…

  3. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 268 · Hass und Rache

    268 aus den Augen des Mädchens bei ihrer Unterredung mit ihm spricht. Erft als auch die Hausfrau dazu kam, jeder, ein Glas Tschaj in der Hand, seinen Platz einnähm, die Söhne der Mutter und der Schwester ihr Jagdabenteuer erzählten und die …

  4. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 269 · Hass und Rache

    269 ob er nicht geistesabwesend. „Du räthselst, ich verstehe Dich nicht!" Und schnell zeigte sie wieder ein holdseliges Antlitz: „Vielleicht kränkt Dich die Photographie darin, Du möchtest die eines andern hinein geben?" „Du begreifft mich …

  5. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 270 · Hass und Rache

    270 die Hand zum. Gegenschlage. Aber in diesem Augenblicke packten ihn sechs Hände und wälzten ihn die Treppe hinunter. Ein schallendes Gelächter kam aus dem Gemache, das selbst die tausend Donner überdröhnte. „Jude! ist Dir der Preis für d…

  6. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 271 · Hass und Rache

    271 an, und als erinnerte er sich an das Geschehene, erschrak er, ein Schauer durchrieselte ihn, hastig griff er in die Tasche und gab dem Portier sprachlos ein Stück Geld und winkte ihm nur mit der Hand, zu gehen. Dieser sprach kopfschütte…

  7. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 272 · Hass und Rache

    272 Räuber die Beute! Ja, so sind sie alle, das ist ihre Art, ihre Weise, ihr Thun; sie haben mich mit Schimpf hinausgeworfen, sie, die Räuber! Und an einem solchen Pack soll ich i mich nicht rächen. Rache will ich nehmen, einmal nur; und k…

  8. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 273 · Hass und Rache

    — 273 sich selbst den Tod zu geben. Nein! Du gehörst mir nicht!" Und er warf sie hin und wie sie fiel, ging die Kugel unter Krachen und Getöse los und schlug in einen Baum. Und als hätte er seinen Todfeind angegriffen und niedergestreckt, e…

  9. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 274 · Hass und Rache

    — 274 — von uns?" Ein Hohnlachen brach aus seiner Kehle) und Spott und Seelenqual zeigten sich ans seinem Antlitze, als er fortfuhr: „Doch ihnen liegt so wenig an unserer Liebe wie an unserem Haß. Was kümmern sie unser waffenloser Zorn, uns…

  10. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 275 · Hass und Rache

    275 — Bein dringendes 'Wehklagen, wie die Stimme von Tausenden, die man ermorden will. Die Stimmen von Männern, Weibern und Kindern vereinigten sich und machten die Wolken erbeben. Er erstarrte, ermannte sich jedoch schnell und rief mit gew…

  11. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 276 · Hass und Rache

    276 vernehmen ließ. Denn ihm war, als würgte es ihn am Halse, er setzte sich auf die Erde, den Kopf in beiden Händen, schaute vor sich hin und verstummte. Lange saß er da, Öde und Vereinsamung in tiefinnerstem Herzen, da kam an sein, Ohr di…

  12. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 277 · Hass und Rache

    — ■ 277 ihre Eltern flehentlich um Verzeihung und 'versicherten aus tiefster Seele, zum Horte ihrer Väter zurückzukehren und von diesem Tage an treue Glieder ihres Volkes zu sein. So verwandelte die Trauer sich in Freude, der Tag des Fasten…

  13. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 278 · Hass und Rache

    278 mir Hand an die Sache legen und das sei'unsere Räche: zu beleben, was sie tödten, aufzurichten, was sie niederreißen. Wer sich zu unserem Volke zählt, er trete her zu mir, die Fahne aber, die uns vereinigt, sie heißt Jerusalem! Nicht mi…

  14. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 279 · Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage

    Die Geschichte zweier SablrathnachmMaye. Von Ulrich Frank. ^abbathstille herrschte in der Gasse. Vor der Thür des Ladens, der mit eisernen Querstangen verschlossen ist, sitzt Schmul Feiertag und ruht aus von den Mühseligkeiten der Woche. Da…

  15. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 280 · Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage

    280 er sich in der Herberge mit einem „Polster" und einer „Kotzen" begnügen die ganze Woche hindurch und mit dem Inhalt seiner von Hause mitgenommenen „Käsebüchs" zufrieden sein, in der er Brod, Butter und Käse mit sich führte. Nur selten g…

  16. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 281 · Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage

    281 der dritte „Familiant" seit Erlassung jenes Edikts in seiner Familie, eine Ehe schließen. Das gab ihm ein gewisses Gefühl von Würde. Er hielt etwas auf sich, wenn er auch durchaus nicht zu den Begüterten unter seinen Glaubensgenossen ge…

  17. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 282 · Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage

    282 seiner Frau Ch'änne die Wirtschaft so gut sie es konnte, aber um das Innenleben seiner Tochter, die beim Tode der Mutter erst 14 Jahr alt war, vermochte sie sich nicht zu kümmern. Sie hätte es auch wohl kaum verstanden. Ebenso wenig, wi…

  18. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 283 · Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage

    283 „Matzrant" und mit einer sogenannten „Bodenhochzeit" sich begnügte und das gesetzliche Heirathsrecht umging. So gab es viel heimliches Sehnen, viel ungestilltes Hoffen und Wünschen in der Gasse, es mußte aber auch Schuld und heimliche S…

  19. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 284 · Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage

    284 von einem Bein auf's andere nnd grinste so, daß die Winkel des schmalen Mundes sich zu beiden Seiten in den langen struppigen Bart völlig verloren. „Er derf taffe1); mehr kann man nich verlangen . . . was wollt Ihr Reb, Schmul?" ... „Sc…

  20. 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 285 · Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage

    285 er jetzt so dicht vor Schmul, daß dieser von seinem Sessel sich nicht hätte erheben können, ohne das zapplige Männchen umzustoßen. In diesem Augenblick war die Großmutter erwacht, hob ihre trüben Augen zum Himmel, um nach dem Stande der…