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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 270

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
270 (sequence 43)
Language
German
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270 die Hand zum. Gegenschlage. Aber in diesem Augenblicke packten ihn sechs Hände und wälzten ihn die Treppe hinunter. Ein schallendes Gelächter kam aus dem Gemache, das selbst die tausend Donner überdröhnte. „Jude! ist Dir der Preis für den Schmuck hoch genug? Wo nicht, ich gebe zu!" hörte man aus dem geöffneten Fenster, und wieder ein schallendes Gelächter. Doch das vernahm der Arme nicht mehr; er war versteint. Auch daß seine Kleider von einem Gusse aus dem Fenster über seinen Kopf besudelt waren, merkte er nicht. Denn als wären ihm auf einmal alle Glieder gebrochen, war er unfähig, aufzustehen, als er sich hinausgeschleppt hatte und am Baume sich aufstützte, ohne mehr zu fragen, ob es der Baum der Erkenntniß sei. Wie ohne Vernunft, wie ein Holzklotz saß er da und starrte ins Dunkel der Nacht, ohne etwas zu denken, denn er hatte keine Gedanken. Längst war es still im Hause, das rohe Lachen verstummte, kein Licht war mehr durch das festgeschlossene Fenster Zu sehen; Hagrovicz ließ all das unbeachtet, als läge er in seinem Bette, es fiel ihm nicht ein, aufzustehen und eine Lagerstatt zu suchen. Plötzlich, wie aus furchtbarer Ohnmacht geweckt, erwachte er beim heftigen Gekläff eines Hundes. Es war der Hund des Portiers, der um den Palast draußen in der Runde ging, bevor er das Thor abschloß. Der Hund sprang im Finstern auf ihn; der Portier aber verjagte schnell den Hund und ergriff die Hände des Däliegenden, den er für einen eingeschlichenen Dieb hielt, und richtete ihn einpor. Betroffen erkannte er jedoch beim Lichte der Handlaterne Hagrovicz und wußte in der Verwirrung kein Wort der Rechtfertigung vorzubringen. Auch traute er seinen Augen nicht, den Herrn unter einem Baume sitzen zu sehen, und so blieb er denn stehen und kratzte sich verlegen hinterm Ohr. Auf einmal däimnerte es in ihm und er sagte: „Ich verstehe, Herr! ich verstehe. Du wartest hier auf eine . . . Hier ist das Stelldichein . . . doch warum auf freiem Felde? Komm' in mein Haus, es steht ganz leer; mein Mund schweigt wie das Grab aller Mädchen und Junggesellen . . . Mein Zimmer steht Dir zu Diensten." Jetzt öffnete Hagrovicz die Augen und sah den Redenden

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