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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 280

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
280 (sequence 2)
Language
German
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280 er sich in der Herberge mit einem „Polster" und einer „Kotzen" begnügen die ganze Woche hindurch und mit dem Inhalt seiner von Hause mitgenommenen „Käsebüchs" zufrieden sein, in der er Brod, Butter und Käse mit sich führte. Nur selten gönnte er sich ein Gericht „Griesnockerl". Sein Getränk bestand aus Wasser, hie und da ein Glas Milch. Zu dieser Lebensweise von höchster Mäßigkeit und Anspruchslosigkeit waren die Juden des vormärzlichen Oesterreichs gezwungen, denn sie waren in ihrer großen Mehrheit auf den Hausirhandel und das „Dorfgehen" angewiesen. Auch wer wie Schmul Feiertag schon ein kleines Schnittwaarenlädchen in der Gasse besaß, mußte trotzdem hinaus, die Käufer aufzusuchen. Denn die Bauern kamen nicht nach der Stadt, um ihre Einkäufe zu machen, sondern waren gewohnt, daß der „Dorfgeher" ihnen Alles ins Haus brachte. Und so war Schmul ebenso wie die meisten seiner Glaubensgenossen die ganze Woche unterwegs und kehrte erst Freitag Nachmittag nach Hause zurück. Gerade zur rechten Zeit, um noch seine weihevollen Vorkehrungen treffen zu können für den Abend und den darauffolgenden Sabbath. Rastlos und unermüdlich schaffte er für das Stückchen Brod für sich und die Seinen, an sich selbst dachte er dabei in letzter Reihe. Aber der Sabbath, das war dann auch sein Lohn. Der leuchtende Stern, der wie ein Verkünder des Friedens über der schweren Arbeitswoche stand. Ein Stern, der ihn mit so viel Glanz und Macht umstrahlte, daß er ihm die Königswürde lieh. Und wie ein König saß Schmul Feiertag da. Der alte, brüchige Lederpolsterstuhl wurde zum Throne, von dem er sein Reich überschaute. Ein merkwürdiges Reich. Zwanzig Meter lang und elf Meter tief. Soweit die Mauern des kleinen Häuschens sich ausdehnten, deren Besitz den Juden in der Gasse gestattet war, ohne daß das Fleckchen Erde auf dem es stand etwa ihr Eigenthum wurde. Aber dieses Häuschen hatte ihm, als dem ältesten Sohn der Familie, es sogar möglich gemacht, einen Hausstand zu gründen. Sein Großvater wurde einst mit ausgelost, als das Reskript der sogenannten „Familien" erlassen wurde, das 5400 Familien das Recht gab, in Mähren zu wohnen. Nur dem ältesten Sohne einer solchen Familie, der „Familiant" genannt wurde, war es gestattet zu heirathen. Schmul Feiertag durfte, schön

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