Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 272 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Räuber die Beute! Ja, so sind sie alle, das ist ihre Art, ihre Weise, ihr Thun; sie haben mich mit Schimpf hinausgeworfen, sie, die Räuber! Und an einem solchen Pack soll ich i mich nicht rächen. Rache will ich nehmen, einmal nur; und kniee ich dann zum Henkertode nieder, so habe ich den Trost, chnen heimgezahlt zu haben, den Schurken und Mördern, dem Auswurf der Menschheit!" Immer stürmischer raste sein Geist, pochte sein Herz; von Zeit zu Zeit hob er die Hand nach der Richtung des Schlosses, und unaufhörlich bebte es chm „Rache!" von den Lchpen. Blutig ging die Sonne im Osten auf, kaum konnten ihre Strahlen durch den dichten Thau dringen, er ging nur immer vorwärts mit aufgewühlter zerrissener Seele. Nach und nach bahnte sich die Sonne ihren Weg durch die dichten Thauwolken, der ganze Horizont glänzte in Morgenpracht. Welch eine Ruhe lag rings umher ausgebreitet; wohin das Auge blickte, nur die Hand der reichspendenden Natur, die keinen Unterschied kennt zwischen Familie, Stamm und Sprache. Auch Hagrovicz fühlte endlich ihr Walten, er fühlte eine Abspannung und mit grenzenlosem Schmerze rief er aus: „An wem soll ich aber meine Rache auslassen? Sind sie doch alle Gauner, eine Diebs- und Räuberbande; das ist ihr Handwerk. Werde ich mit einer Schwenkung der Hand sie allgesammt ausrotten? Es ist nicht anders! alle denken sie so, dies sind ihre Anschläge gegen uns, wir irren wie eine Heerde Lämmer, wie Lämmer werden wir geschoren, wie Lämmer abgeschlachtet! Vater! wie.ein.Morgen steigt Deine Gerechtigkeit empor. Du siehst den eigenen Jrrthum, wir haben Thorheit hinzugefügt und sehr, sehr gefehlt. Wie uns rächen? Das LaMm gegen seinen Schlächter sich erheben? Wir können uns nur verbergen oder den Hals hinstrecken. Auch Du bist nicht mein Eigenthum,, sondern das unserer Feinde^ nicht uns gehörst Du an" — und er wandte sich an seine Flinte — „oder bist auch Du gegen mich? willst Du etwas von mir? Sie haben es ja alle auf uns abgesehen, Du kannst mir nicht mehr Leid zufügen, als unsere Feinde. Und der große Schade, wenn du es mir angethan hast? Meine stolzen Hoffnungen, daß ich den Tod zu fürchten habe? Jammer und Tod folgt mir aus Schritt und Tritt, sollen wir selbst uns noch unseren Bedrängern anschließen? Auch das ist Sache unserer Feinde, andern oder