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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 267

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
267 (sequence 40)
Language
German
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267 sagen? Er wird ihm neidisch sein — o, das ist recht! ich will ihn ermuthigen, er soll ihn beneiden, Eifersucht'erhöht die Neigung . . . Was fiir köstliche, zum Küssen wie geschaffene Lippen! welch eine Hand, wie die der verwöhntesten Dame! ja, ich will ihn ermuthigen!". . . Zischelte jetzt keine Schlange? O nein! Es war wieder nur die Stimme des Jahrhunderts, das sich im Lustgarten gemächlich erging. Doch wenn schon in seine Herzensgedanken keine Schlange sich geschlichen, spürte er doch wie ein Gift in sich, als flammte und siedete und stürmte sein vergiftetes Blut und stieg ihm zu Haupte und fluthete wieder zum Herzen zurück und so in ewigem Kreislauf. Wie im Traum saß er da und blickte um sich, seufzend, lachend, zürnend, stand aus, setzte sich, lehnte sich an, legte sich nieder, sprang wieder auf, bis er in den Empfangs-Salon der Hausftau gerufen wurde. Ihr Antlitz strahlte und blendete ihn . . . Er kam in ein großes Gemach mit vier Fenstern, die Wände mit Ebenholz ausgelegt, köstlich geschnitzt, vom Plafonds durch eine kranzartige Umrahmung geschieden. In der Mitte eine große Tafel mit vielen meisterlich geformten Stühlen. Ein schwerer kostbarer Teppich bedeckte den Fußboden und auf dem Tische stand ein mächtiger Samovar von spiegelndem Glanze, in welchem die angezündeten Lichter blitzten und das große vor ihm stehende Becken. Alle Geschirre auf dem Tische leuchteten und glitzerten. Das Fräulein saß auf einem Stuhle, das Haupt an die Wand rückwärts gelehnt. Als er eintrat, winkte sie ihm mit der Hand, näher zu kommen. Er setzte sich an ihre Seite, und als er ihr die Hand gab, hielt sie dieselbe fest, und fliegende Gluth durchströmte ihn vom Wirbel bis zur Zehe. An ihrer Seite wußte er nicht, ob das Sieden im Samovar oder in seinem Herzen so laut war. Bevor er den Mund aufthat, öffnete sich die Thür und seine Jugendfteunde, des Mädchens zwei Brüder, kamen nach Hause, nach chnen Sejmovicz, auch ein ehemaliger Kamerad von Hagrovicz. Hagrovicz stammelte seinen Gruß wie trunken den Söhnen vom Hause und dem Sejmovicz zu, und sah sie beim Sprechen nicht an. Daß die Brüder erschraken, daß Sejmovicz abwechselnd erröchete und erbleichte, ihm unsicher antwortete und eine eiskalte Hand darreichte, bemerkte er nicht, wie unterlauchend in die Glanzfluth, die

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