Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 277 (sequence 50)
- Language
- German
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— ■ 277 ihre Eltern flehentlich um Verzeihung und 'versicherten aus tiefster Seele, zum Horte ihrer Väter zurückzukehren und von diesem Tage an treue Glieder ihres Volkes zu sein. So verwandelte die Trauer sich in Freude, der Tag des Fastens und Weinens zu einem hohen Feiertag sür alle diese innerlichst -Gebrochenen, für Kinder und Väter. Das sind die echten jüdischen Feiertage! Nachdem das Volk auf das wüthendste verfolgt worden ist, nachdem man es in den Staub getreten und es seine Thränen, sein Blut und sein Herz hingefchüttet, dann findet es wieder Trost und Kraft und Much, sein Schicksal weiter zu tragen, bleibt es nur fest auf eigenem Boden und sieht von da ruhig das Uebrige. Die ganze Jugend war eifrig in der Umkehr und ernstlich zu geloben, vollen Herzens zum Glauben zurückzukehren, Ephraim vor allen andern. Von einem tiefinnerlichen Gedanken erfaßt, rief er aus: Ich habe gefehlt, ich habe schwer gesündigt; und jetzt, da ich einsehe, was ich verbrochen, will ich meinem Volke ein Opfer bringen, um das zu versöhnen, was ich euch gethan — ich will in das Land ziehen, die Wiege unserer Jugend, die ewige Wonne unserer Hoffnung — „O trügen Flügel mich zu jenen Orten, der Seele tiefften Frieden fand' ich dorten." „Wie das, mein Sohn?" flagte sein Vater, der bisher still und zitternd dagestanden. „Ich halte mein Wort! ich versprach, an unfern Feinden Rache zu nehmen und rächen werde ich mich. Mein Leben, meine Kraft, meine Unschuld und Redlichkeit habe ich den Feinden geopfert; mein ganzes Verlangen und Bestreben war. uns mit ihnen in Liebe und Brüderlichkeit zu vereinigen, die Vergangenheit zu vergessen und Aug und Herz nur der einen gemeinsamen Zukunft zuzuwenden. Ja, wir selber wollten den Namen Jude nur der Liebe und des Friedens Willen ausrotten. Sie aber wollen uns nach alter Gewohnheit mit Grausamkeit und Mord wirklich vertilgen. Dies daher meine Wiedervergeltung: So lange ich lebe und athme, will ich Kraft und Dasein dem Wiederaufbau Israels widmen, das verlorene Volk wieder zum Selbstbewußtsein zu bringen, ihm Kraft und Muth einzuflößen. Keine Noch, kein Unglück soll mich davon tibbringen. Und jeder meiner edlen Jugendgenossen wird mit