Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 266 (sequence 39)
- Language
- German
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266 streckten sich die grasigen Weiden hin, von leuchtendem Grün bedeckt, darin es in allen Farben wie von Edelsteinen funkelte. Das Blöken der Heerden, das Tönen der Hirtenflöte, das Murmeln des Baches, wenn er an die Kiesel des Ufers leise anschlug — das alles redete nur die eine Sprache der Liebe. Auch die Lippen des Mannes schienen sich zu bewegen und zu öffnen, wie die eines kleinen Kindes, das dem ihm Vorsprechenden nachzustammeln versucht. So oft das Mädchen durch ein Flachsfeld strich und sie jedem Blicke und der ganzen Welt verborgen waren, regte es ihn an, ihr etwas ins Ohr zu flüstern. Aber fühlte sein Herz auch die Sprache, die alles um ihn her redete, vermochte er sie doch nicht dem Mädchen ins Ohr nachzuflüstern. Er war während seines Rittes von seinem Gefühle wie trunken. Und nach ihrer Rückkehr, als sie zu Tische gingen — und wieder nachher, als das Fräulein ihr Zimmer aufsuchte, um dort auszuruhen und ihm in den Garten zu gehen rieth, und er, ihr folgend, das Paradies vor sich sah mit dem Baum der Erkenntniß und des Lebens, aber ohne Schlange. — Frißt doch die Schlange längst nur Staub und kommt nicht mehr ins Paradies zu dem Baum des Lebens? — Aber wer war's denn, der ihm ins Ohr blies: Und wenn das Mädchen dich liebt und dir ihre Hand reicht und die Eltern zustimmen? Dann giebt's keinen Herzens- und keinen Familienzwist mehr, nur Ruhe und Frieden! Der Traum aller Weisen und Propheten des Friedens und der Erkenntniß erfüllt sich. Du genießest die Frucht dieses Baumes, dünkst dich einen Gott und stehst als Muster da vor der ganzen Jugend deines Volkes, die gegenwärtig ein Irrwahn erfaßt und ihren Standpunkt verrückt hat. Nicht der Schlange Stimme war das, sondern die des Jahrhunderts, das so freigebig mit der Frucht des Baumes der Erkenntniß ist und hinzuftigt: „Nur sestgehalten am Baume der Erkenntniß und nie nachgelassen!" Er streckte unwillkürlich die Hand aus, als wollte er di? Zweige dieses Baumes fassen, als stände er'vor ihm. Was er jedoch dafür hielt, das stand nicht im Garten, das lag in seinem Gemach auf dem Pfühle und redete, da es ja auch einen nur zu reizenden Mund besaß: O, er ist schön! Für Aug' und Herz eine gleiche Labung, schade, daß es ein Jude ist! Was würden meine Brüder, was Fürst Sejmovicz dazu