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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 271

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Hass und Rache
Date
1898-01-01
Page
271 (sequence 44)
Language
German
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271 an, und als erinnerte er sich an das Geschehene, erschrak er, ein Schauer durchrieselte ihn, hastig griff er in die Tasche und gab dem Portier sprachlos ein Stück Geld und winkte ihm nur mit der Hand, zu gehen. Dieser sprach kopfschüttelnd: „Thue nach Belieben, aber verbringe doch nicht die ganze Nacht unterm Baume." Auch darauf antwortete Hagrovicz nicht, sondern stand auf und ging ein wenig vorwärts, und als der Portier den Rücken zum Gehen gewandt, zog er eine kleine Flinte aus der Seitentasche und lud sie. Beim Herausnehmen des Hebels war er ihm naß geworden. Ihm war, als komme damit neues Leben in ihm, seine Leidenschaft war auf's höchste gestiegen, er fühlte den Schmerz im Körper, und nach einem viertelstündigen Gehen im Finstern erinnerte er sich allmählich des von ihm Erlebten und blieb stehen und sprach: „Mit seinem Blute will ich die Schande abwaschen." Zwei Stunden lang war er stumm geblieben, und jetzt konnte er nur zum zweiten und dritten Male das Eine wiederholen: „Mit seinem Blute will ich die Schande abwaschen." Und so oft er es sagte, nahm er die Waffe und zielte gegen den Palast. Wieder vergingen Stunden, ohne daß er an etwas dachte, er suchte keine Rechenschaft seines Thuns, sondem ging im Finstern auf und ab, wie ein Wächter aus der Wacht und erwartete das Morgenlicht, um seinen Beleidiger wieder ins Gesicht zu sehen. Vor Morgenanbruch fühlte er sich ganz durchfröstelt und erinnerte sich, daß sein Oberrock im Schloß geblieben, und ohne zu wissen, warum er dabei plötzlich an das Mädchen denken mußte, überlegte er ihr und ihrer Mutter Betragen. Hatte er auch sie lachen gehört? O gewiß nicht! aber . . . nein! das war unrecht! sie, das edle Mädchen! Aber den Schinuck, einer Jüdin Schmuck, sie .warf ihn nicht weg. „Es ist ein Geschenk" . . . „Hölle und Teufel!" rief er plötzlich und eilte voll der Stelle und der Widerhall seines Rufes scholl aus dem Wald, „sagte der Vater nicht, daß Sejmovicz Rahel's Schinuck geraubt, aber die Mutter stellte es in Abrede, und so vergaß ich's. Sejmovicz also ist der Straßenräuber am helllichten Tage, er kommt ins Haus, von ihm nimmt sie Geschenke an und wirft sie liicht weg, auch wenn sie hört, daß es Raub ist, weil doch nur eine Jüdin die Beraubte ist. So theilt auch sic mit dem

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