Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 269 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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269 ob er nicht geistesabwesend. „Du räthselst, ich verstehe Dich nicht!" Und schnell zeigte sie wieder ein holdseliges Antlitz: „Vielleicht kränkt Dich die Photographie darin, Du möchtest die eines andern hinein geben?" „Du begreifft mich nicht, wie weh es mir thut, das Räthsel aufzuhellen; mit tödtlicher Qual bring' ich es über die Lippen. Wisse also: Der Schmuck ist geraubt." „Du bist nicht recht gescheidt!" erwiderte sie und trat etliche Schritte zurück. „O wär's doch so und sah ich Dich, herrliches Mädchen! nicht geraubtes Gut am Busen tragen. Ja, dieser Schmuck wurde am Hellen Tag einem Judenmädchen an jenem Schreckenstage geraubt." „Gott sei Dank!" sprach sie, Athem schöpfend; „ich war einen Augenblick wirklich recht erschrocken!" „Ja, so ist's," fuhr Hagrovicz fort, ohne sie zu hören; ich kenne das Mädchen, kenne den Schmuck und bezeuge, daß er ihr gehört, und daß man ihn ihr vor aller Welt geraubt." „Was geht mich das Jud . . ., das israelitische Mädchen an, ob er ihr einst angehörte oder nicht? Ich bekam ihn von einem hochangesehenen Edelmanne," gab sie zurück und wehrte ihn mit der Hand ab, wie einen, der thörichtes Zeug vorbringt. „Allein ich sage, der Schmuck ist geraubt." „Wovon habt Ihr gesprochen?". fragte die Hausfrau, als sie das zorngeröthete Antlitz der Tochter und das von Hagrovicz sah, das Schmerz, Flehen, Staunen und Entsetzen zugleich ausdrückte. „Dieser Herr sagt," antwortete das Mädchen, die Mutter, die Brüder und Sejmovicz ansehend, „dieser Schmuck an meinem Busen sei einem Judenmädchen geraubt worden." „So ist es," rief Hagrovicz laut; „darum wirf ihn weg, er soll Deine reine Schönheit nicht entstellen. Der Mann, von dem Du ihn hast, ist ein Straßenräuber." . . . Eine in allen Ecken des Hauses widerhallende Ohrfeige war die einzige Antwort auf Hagrovicz' Reden, sie kam von Sejmovicz. Wie vom Donner gerührt stand Hagrovicz da. Tausend Donner hallten ihm im Ohr, Blitz aus Blitz zuckte ihm in allen Farben vor den Augen, und außer sich hob er