Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Hass und Rache
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 268 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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268 aus den Augen des Mädchens bei ihrer Unterredung mit ihm spricht. Erft als auch die Hausfrau dazu kam, jeder, ein Glas Tschaj in der Hand, seinen Platz einnähm, die Söhne der Mutter und der Schwester ihr Jagdabenteuer erzählten und die Dame Hagrovicz über die Residenz ausfragte: da legte sich die innere Wallung ein wenig; er staunte selbst über sich und seinen bisherigen Zustand und nahm sich sehr zusammen, sich wieder zu beruhigen, um alles, was mit ihm redete, anzuhören und genau darauf zu antworten. Sejmovicz blickte von Zeit zu Zeit Hagrovicz finster an, der rechts vom Fräulein saß, und als das Fräulein es bemerkte, sprach sie erst recht fleißig und ihn immer mit Lächeln ansehend mit ihm. Die Brüder achteten nicht sonderlich des Gespräches und redeten nur von ihrer Jagd, und kaum vom Tische aufgestanden, nahmen sie die Mutter bei der Hand, um sie in ihr Zimmer zu führen und ihr das erbeutete Wild zu zeigen, Sejmovicz begleitete sie, um sehen zu lassen, was er selbst erjagt; doch sah man ihm an, daß er's nur gezwungen that. Hagrovicz blieb mit dem Mädchen allein, und als sie aufitand, ging er ihr nach. Doch was war geschehen? Warum ward er todtenblaß, bebten ihm Hände und Füße, gingen seine Augen irre und lallten seine Lippen? Was war ihm? Auch das Fräulein erschrak einen Augenblick, als sie ihn ansah. Sie beruhigte sich jedoch bald, und mit leichtem Spott, der ihr die Lippen kräuselte, sah sie ihn liebevoll an und fragte ihn: „Was hast Du?" „Gebieterin! edles Fräulein! rief er mit kranker Stimme; sie aber winkte, als wollte sie ihm Herz machen, sich ganz auszusprechen. „Gebieterin!" fuhr er fort mit schwerer, lallender Stimme. „Was trägst Du aus dem Herzen?" Sie sah chn verdutzt an, denn sie erwartete etwas ganz anderes; sogleich aber kräuselte wieder leichter Spott ihre Lippen und sie antwortete: „Ei, ein goldenes Medaillon füv-eine Photographie!" „Gebieterin!" rief er noch stärker, und in seiner Stimme lag ein unsäglicher Kummer. „Fort, zu Boden mit diesem Schmuck. Doch nein! berühre ihn mit Deinen reinen Händen nicht; heraus mit ihm und tritt ihn mit den Füßen, er ist Sünde und Schande!" Wieder blickte sie ihn ängstlich an.