Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- [1] (1898)
- Article
- Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 279 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Geschichte zweier SablrathnachmMaye. Von Ulrich Frank. ^abbathstille herrschte in der Gasse. Vor der Thür des Ladens, der mit eisernen Querstangen verschlossen ist, sitzt Schmul Feiertag und ruht aus von den Mühseligkeiten der Woche. Das „Häubenbrettel", das, eine Art Barett, die Kopfbedeckung der mährischen Juden an den Sabbathen und Feiertagen bildete, hatte er mit einem Kappel vertauscht, das aus der Stirn gerückt war. Die feiertägige „Schubeze", unter der die Kniehosen, die langen Strümpfe und die Schnallenschuhe sichtbar wurden, war weit auseinandergeschlagen, als sollte die Sonne recht unmittelbar und eindringlich seinen Körper durchwärmen. Es lag ein Ausdruck des Friedens und Behagens über dem tiefdurchfurchten, sorgendurchwühlten Antlitz, der ihm etwas Feierliches gab. Wie der Abglanz des Ruhetages, der dem armen, gehetzten Volke nicht nur gegönnt, sondern durch seine weisen Gesetze sogar ausgezwungen war. Schmul Feiertag segnete dieses Gesetz, das ihm gestattete, hier in der Sonne zu sitzen, die müden Knochen auszuruhen und die krastspendende Wärme den Leib durchdringen zu lassen. Was waren das für himmlische, erquickende Stunden nach den sechs langen, schweren Arbeitstagen, in denen der „Jud" sich nicht einen Augenblick des Zauderns, der Ruhe gönnen konnte. Auch Schmul Feiertag zog jeden Sonntag früh hinaus aufs Dorf, um mit dem „Pinkel" auf dem Rücken seine Kunden , zu besuchen, bei denen er übrigens wohlbekannt und wohlgelitten war. Aber „Jud blieb Jud" und so mußte