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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1898-01-01 · [1] (1898) · p. 283

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
[1] (1898)
Article
Die Geschichte zweier Sabbathnachmittage
Date
1898-01-01
Page
283 (sequence 5)
Language
German
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283 „Matzrant" und mit einer sogenannten „Bodenhochzeit" sich begnügte und das gesetzliche Heirathsrecht umging. So gab es viel heimliches Sehnen, viel ungestilltes Hoffen und Wünschen in der Gasse, es mußte aber auch Schuld und heimliche Sünde geben und das, was bei diesem scheuen Volke, dem die Reinheit des Familienlebens ein Heiligthum war, als das Fürchterlichste galt — die Schande. Wenn Schmul Feiertag geahnt hätte, daß sie mit schwarzen Fittigen schwer und gramvoll seinem Hause nahe, er hätte nicht mit so behaglichem Schmunzeln Feifeie Schammes begrüßt, der, die lebendige Chronik der Gasse, soeben zu ihm trat. „Gut Schabbes Reb Schmul" redete er diesen an und streckte ihm die Hand entgegen, „wie schaut's aus draußen bei den Gojim?" „Laßt mich aus mit die Gojim; wenn ich daheim bin, will ich nix hären von sie, noch dazu an Schabbes, Feifelek Erzählt mir lieber, was es Neies giebt in der Gass'." „Nu, was werd's Neies geben in der Gass'" . ... sagte das kleine Männchen und trat näher an Schmul heran, „man sagt Avromele Danziger war die Woche auf Proßnitz, um mit Leib Pincus zu reden, wegen ein Schidduch^) von sein Sohn Joseff mit Pessele Pulvermacher". ... „Joseff, der Schlemihl und die schöne Pessel? Und an Neddan?) wird Reb Jtzig auch nicht sparen, wie ich ihn kenn'." ... „Gar nix, aber was soll er nebbich thun? Pessel ist ä reife und schwere Mad und braucht einen Chosen^), wie der Topf ä Deckel — un woher nehmen in unserm gebenschten^) Kire^) und nicht stehlen? Joseff ist ein Familiant und Reb Jtzig kann noch froh sein, wenn er will. Avromele erzählt, man redt ihm die größten und feinsten Schiduchim. 's Haus rennen sie ihm ein, und Leib Pincus schlägt von ein mal zum andern auf mit dem Nedan." ... „So ä mießer Mensch, und ä Amhorez^) . . Ich glaub nicht, daß er a Blatt Gemore kann und in Geschäft is er auch nicht Leibs Sohn. ... Er wart immer bis der Vater kommt." ... „Davor is er von Adel" . . . spöttelte Feifeie, hüpfte i) Partie. i) 2) Mitgift. 3) Bräutigam. 4) gesegneten. 5) Kaiserreich. 6) Unwissender.

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