Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 253

    wärtigen wir uns den Vorgang, der beim Aufnehmen des Gedichts im Hörer geschieht! Im Hörer, nicht im Leser, denn nur im konkreten Schall hat das Wort seine volle sinnliche Existenz. Denken wir uns zunächst den Menschen, der das Gedicht höre…

  2. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 254

    Das Gedicht in unserer Welt zu realisieren ist jeweils Amt des Hörers, wie es einmal Amt des Dichters w ar. Insofern ist der Dichter nur der erste Hörer, und hat er in Zeichen das Gehörte festgehalten, so mag Hörer nach Hörer ihm im Amt der…

  3. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 255

    mächtiger als die abstrakte Darstellung, die eine begriffliche Betrachtung wie die unsere einzig von ihm geben kann, ist ihnen eingetan wie Gottes Bild und Gleichnis dem Menschen. Vermessen wäre es auch, den getrübten Abbildern des Urbildes…

  4. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 256

    Der zweite, der wesentlich subjektive Prozeß setzt zumindest etwas später als der erste ein, sobald nämlich die ersten Gestaltqualitäten des Gedichts deutlich werden: er antwortet ihnen mit Lust oder Unlust, Zustimmung oder Ablehnung, Genuß…

  5. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 257

    Aber ein solches rigoroses Verdrängen alles antwortenden Empfindens würde vielleicht mehr vom Aufbau ablenken, als dies Empfinden selber, das mit natürlicher Notwendigkeit sich einstellen wird. Reißt es die Seele nicht in sich hinein, bleib…

  6. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 258

    nicht nur um theoretischer Klärung willen, wichtig, sich auf den wirklichen Vorgang zu besinnen. Wenn der Dichter im Schaffen einen Hörer denkt, so möchte es scheinen, als vergegenwärtige er sich die subjektive Wirkung des Wortes auf diesen…

  7. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 259

    psychologischer Notwendigkeit annimmt, davon kann das Gedicht nicht unabhängig sein; welchen Wert aber die mit dem Wort eingebrachten Assoziationen, der in der Wortfolge erzeugte Rhythmus für die Gedichtgestalt haben, ist damit noch keinesw…

  8. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 260

    Die Verwirklichung des Gedichts, die das wahre Hören bedeutet, erscheint uns also zugleich als ein Bildungsprozeß am Hörer. Was geschieht nun. wenn das Gedicht endet, und die Elemente, die in seine Realisierung eingegangen waren, wieder aus…

  9. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 261

    ihn gestaltet, in die Einigkeit aller Elemente des tragischen Gedichts miteinander auf, denn sie sind einig in dem Einen, daß sie die Ordnung des Gedichts tragen und erfüllen; als seine Glieder harmonieren sie, eben im Kampf. Es bleibt, wen…

  10. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 262

    sondere Wesen, das er im Gedicht hatte, aufgeben. Aber, wenn der Hörer ein wahrer Hörer gewesen ist, so bleibt dem Gedanken auch dann noch etwas von der Bewährung, die ihm im Gedicht eigen war, anhaften; der Bewährung: daß er nicht nur als …

  11. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 263

    EBERHARD GRISEBACH DIE GRUNDENTSCHEIDUNG DES EXISTENTIELLEN DENKENS UND IHRE KRITIK AntivoTt an Hermann Herrigel In der Bekämpfung der Absolutheitsansprüche, die die Verantwortung in Gegenwart und Gemeinschaft gefährden, stimmen unsere Arbe…

  12. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 264

    und im Ausgangspunkt unseres Denkens, sondern grundsätzlich stehen wir gegeneinander, denn das kritische Denken greift das neue existentielle Denken in seiner Grundentscheidung und deshalb auch in allen seinen Ergebnissen an. Es ist also du…

  13. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 265

    dient, muß die kritische Philosophie in der Unterredung aushalten. Sie erhält ja jetzt die schwierige und ernste Aufgabe, diese anscheinend unangreifbare Position der gläubigen Erkenntnis als Selbsttäuschung und Selbstmißverständnis des exi…

  14. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 266

    sition geschieht aphoristisch. „Die Wirklichkeit steht nicht am Ende, sondern am Anfang der Erkenntnis. Sie wird nicht von der schöpferischen Vernunft erst erschaffen, sondern als Schöpfung erkannt.44 „Von der Welt als von einer Schöpfung s…

  15. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 267

    … die Erfassung der Ausgangsposition haben sich viele existentielle Denker schon bemüht. Wir müßten bis zu Heraklit oder Aristoteles zurückgehen. Sie erinnern selbst mit \achdruck an die Seholastik des Mittelalters. Die Ansätze bei Montaigne und Pascal…

  16. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 268

    Paradox wirkt sich also in jeder Bestimmung seines Wesens aus. Aus der Sorge um diese kausal bedingte Existenz gewinnt er sein eigenes Verhältnis zu den Dingen, die er als besondere zuhandene Dinge mit seinen Willen szwecken verknüpft. Sie …

  17. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 269

    die erbauliche Kraft solcher Wahrheit bleibt fraglieh. Denn selbst die größte Energie solcher Selbstbesinnung und Gotteserkenntnis führt den existentiellen Denker konsequent in die unheimliche Einsamkeit des Vereinzelten, in welcher das in …

  18. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 270

    die Voraussetzung einer Lösung und Erlösung in der Vorwegnahme der Existenz und ihres Grundes. Diese Problematik ist eine kunstvolle Dialektik, aus allen Prinzipien des menschlichen Wesens zusammengesetzt. In dem so einfach erscheinenden Ge…

  19. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 271

    Der Mensch ist es, der seine Existenz als Sehender in der Gestalt des Gebunden- und vielfach Geängstetseins vorausschaut. Gottes Wirkung ist schon der Gestalt und Struktur eingefügt und zugesprochen. Die angeblich von außen wirkende Ursache…

  20. 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 272

    Mensch fest und gut vorbereitet auf dem Boden seiner Grundentscheidung, denn er hat in dieser problematischen Gestalt seine Eigentlichkeit angeblich schon in einem freilich systematisch fundierten Glauben gewonnen. Der Kritik zeigt sich die…