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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 270

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 270 (sequence 21)
Language
German
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die Voraussetzung einer Lösung und Erlösung in der Vorwegnahme der Existenz und ihres Grundes. Diese Problematik ist eine kunstvolle Dialektik, aus allen Prinzipien des menschlichen Wesens zusammengesetzt. In dem so einfach erscheinenden Gegensatz von Gott und Mensch als Ausgangsposition sind alle Prinzipien des Seins zusammengefaßt. Der Mensch ist Körper und Geist, Gott Anfang und Ende. Die Ordnung aller dieser Prinzipien stellt eine Realdialektik dar, die ein Bild der Innerlichkeit gibt, das als Problematik ausgegeben wird, weil im „zwischen66 von Natur und Geist ein heimlicher Ort bleibt, wo das Absolute sich verbirgt. Das Verführerische solcher Dialektik liegt in der Prinzipienfülle und in der mystischen Harmonie ihrer Gegensätze. Trotz aller Paradoxie, Spannung, trotz aller angeblichen Abgründe und Ängste im menschlichen Wesen fällt von der Grundentscheidung her ein milderndes Licht über die problematische Struktur des Menschen. Das Licht bezaubert aber nur den, der nicht kritisch hingesehen hat, die Einbildungskraft des Menschen hat nämlich die Harmonie als Symbol geschaffen, indem das absolute Prinzip der Struktur seines Selbst eingefügt wurde. Die erwarteten Wirkungen und Entscheidungen des Absoluten sind in der Grundentscheidung schon vorweggenommen. Über der Gestalt des Menschen schwebt schon ein heiliger Schein, wenn er mit dieser differenzierten Gestalt seines Selbst beginnt und sich die einzelnen im Glauben lebenden Menschen in der Geschichte mit diesem Bilde deutet als sei diese erinnerte Welt schon die Wirklichkeit. 2 Die Kritik Hier hat mit allem Nachdruck und mit allen Mitteln die Kritik einzusetzen. Wie steht es angesichts der differenzierten Struktur des Menschen mit dem \ orbehalt des ewigen Nein und mit dem in der Grundentscheidung verborgenen angeblichen Transzendenten, dessen absoluter Wirkung die Entscheidung überlassen wird? Im Vorweghaben und Annehmen der Differenzen in der Grundentscheidung hat der existentielle Denker eine Beziehung des Absoluten zum Menschen angenommen. Er sieht sich in seiner Existenz vom Absoluten her in Frage gestellt und fragt zugleich nach dem, was ihn in Frage stellt. Das Erfragte ist damit schon vorweggenommen und behauptet. L^rsprung und Ziel sind nämlich identisch. So schließt sich der unendliche Kreis dieser realdialektischen Bewegung im Anfang und Ende. Es bleibt die Wirkung also nicht Gott überlassen. 270

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