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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 269

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 269 (sequence 20)
Language
German
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die erbauliche Kraft solcher Wahrheit bleibt fraglieh. Denn selbst die größte Energie solcher Selbstbesinnung und Gotteserkenntnis führt den existentiellen Denker konsequent in die unheimliche Einsamkeit des Vereinzelten, in welcher das in der Grundentscheidung des Paradox vorweggenommene Absolute dem Fragenden von Augenblick zu Augenblick ängstigen und bestimmen soll. Alle Mittel eines Dichters wurden von Kierkegaard als religiösem Schriftsteller benutzt, um mit Ironie unfeine Grundentscheidung hinzuweisen, die in Wirklichkeit nicht mitteilbar ist. Das Literarische solcher Erkenntnisarbeit bleibt Dichtung, während das Schicksal dieses Einzelnen uns auf die systematische Selbsttäuschung innerhalb der Grundentscheidung aufmerksam macht. Kierkegaard geht als echter Wahrheitssucher an seinem Irrtum zugrunde. \\ as an Aphorismen als das literarische Denkmal seines Lebens übrigblieb, vermag vielleicht ein Nachfahre kaltblütiger zu einem systematisierten Mvthos zusammenzuschauen und der Grundentscheidung des Paradox: entsprechend als eine tiefe Problematik des Menschen bildhaft darzustellen, aber die in der Grundentscheidung enthaltene Selbsttäuschung wird damit nicht überwunden. Die Frageform einer solchen existentiellen Gestaltung darf uns über die Natur der vorgehabten Grundentscheidung und über die in ihr enthaltene vorgedachte Beziehung zum Absoluten (als Ursprung oder Gegenstand der Frage) nicht hinwegtäuschen. In jeder existentiellen Dialektik und Problematik unserer Tage gilt es tleshalb auf die allen gemeinsame Grundentscheidung hinzuweisen. Sie liegt allem „neuen" Denken zugrunde. Es muß auffallen, daß diese Grundentscheidung als Paradox einesja und Nein von Philosophen und Theologen zugleich als Abgangsort ihrer Rede angenommen wird. Beide benutzen den absoluten Widerspruch von Mensch und Gott, von Ich und Du zur Entwicklung einer bald mehr an Sendling, bald mehr an Kant erinnernden Dialektik, welche vom wirklichen Menschen, von endlicher Existenz sprechen soll. Auf Grund des im Prinzip gemachten Vorbehaltes eines widersprechenden, richtenden Neins glaubten viele mit solcher dialektischen Rede für die absolute Entscheidung und Wirksamkeit Gottes offen zu bleiben und deshalb das Problem der Existenz prinzipiell ungelöst stehenzulassen, wo es steht. Es läßt sich aber nachweisen, daß es sich auch bei diesen Dialektikern um ein geschlossenes Zirkelsystem handelt, um eine petitio principii, d. h. um 269

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