Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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sition geschieht aphoristisch. „Die Wirklichkeit steht nicht am Ende, sondern am Anfang der Erkenntnis. Sie wird nicht von der schöpferischen Vernunft erst erschaffen, sondern als Schöpfung erkannt.44 „Von der Welt als von einer Schöpfung sprechen (ohne diesen Begriff zu gebrauchen) Laim nur der, der sieht, und es sieht nur der, der glaubt.44 „Der Glaube ist es. der das Wissen zugleich begründet, denn hinter allem Wissen steht der Glaube an eine geordnete Wirklichkeit, und wieder aufhebt, denn kein Wissen erschöpft die Wirklichkeit.46 Die Erkenntnis spricht von dieser Position aus immer mit negativem Vorzeichen; darin liegt die Grenze alles Sprechens des Erkennenden, daß er in Frage gestellt ist. Die Frage eines Fragenden klarzustellen erscheint Ihnen als Aufgabe des Philosophen an seinem Standort. Sein Thema ist somit der Fragende selbst und alles, was der Frage zugrunde liegt. Gegenüber der ausführlichen Destruktion des Idealismus bleibt freilich die Position der neuen „Standortsphilosophie44 von Ihnen nur angedeutet als etw as, „w as noch ganz in der Frage steckt und noch nicht ausgesprochen werden kann". Soviel wird aber über die neue Position als Standort deutlich, daß hier Gott die Entscheidung des Wirkens zukommen soll. Das Problem einer neuen konkreten issenschaft und einer neuen wirklichen Bildung taucht auf, die freilich, wie Sie selbst schon zeigten, so ganz neu nicht sind. Die Neuzeit hat sie nur vergessen. Alles in allem handelt es sich um eine Wendung zur Wirklichkeitseinstellung, die kein prinzipiell betontes Denken und keine systematische Erkenntnis mehr zu sein behauptet. Aus diesen Ihren Andeutungen geht klar genug hervor, daß es sich in Ihrer Ausgangsposition um eine Grundentscheidung handelt, die sich deshalb von allen \ oraussetzungen des Idealismus abhebt, weil sie nicht von dem Denken allgemein gesetzt ist, sondern in dem Standort des Einzelnen als gegeben vorgefunden wird. Auf diese richten Sie die intellektuelle Anschauung, das Sehen, das Sie „ein dunkles Wissen44 nennen, um die Struktur, das Bild des Fragenden zu erfassen. „Es ist gegeben als der Ort der Frage, der zugleich in Frage gestellt ist." Ich stelle durchaus in Rechnung, daß sie bezüglich der Beschreibung dieses Standortes und seines or-Habens der Grundentscheidung noch an der Arbeit sind. Es liegt mir auch fern, Sie mit irgendeinem einzelnen Satze oder Bilde festzunageln. Ich habe das existentielle Denken überhaupt bei dieser Erkundung im Auge, wie Sie es selbst in unserer Zeit an der Arbeit sehen. Ich 266