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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 268

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 3
Date
1929-01-01
Page
Seite 268 (sequence 19)
Language
German
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Paradox wirkt sich also in jeder Bestimmung seines Wesens aus. Aus der Sorge um diese kausal bedingte Existenz gewinnt er sein eigenes Verhältnis zu den Dingen, die er als besondere zuhandene Dinge mit seinen Willen szwecken verknüpft. Sie bedeuten ihm nicht mehr nur begrifflich allgemein erkannte vorhandene Gegenstände. Die Bildung der einzelnen Persönlichkeit in ihrer Eigentlichkeit besteht in der Entfaltung der Sorge an den Dingen der Umwelt. Die dunkle Tiefe solchen Daseins läßt den Menschen nach dem Sinn seines Seins, nach der absolut bestimmenden Ursache als ein Infragegestellter fragen. So mag es scheinen, als sei die in der Grundentscheidung hingenommene Beziehung zwischen Mensch und Absolutem unbestimmt. Trotzdem ist aber die Vorgegebenheit des die Existenz verursachenden Absoluten und die Existenz selber auf Grund der Grundentscheidung für das neue Denken das Gewisseste vom Gewissen, denn mit dem Vorweghaben der Wirklichkeit und ihres Grundes hebt ja dieses sich selbst schauende Denken an. Die Selbstanschauung ist zugleich Gotteserkenntnis und ein Von-Gott-erkannt-Sein. Der vorgegebene Gegenstand des existentiellen Denkens ist die vorgehabte Grundentscheidung eines Absoluten am Standort des Fragenden. Kierkegaard hat sich in der richtigen Erkenntnis dieser Lage offen als religiöser Schriftsteller bekannt und Zeit seines Lebens damit gerungen, diesen paradoxen Ausgangspunkt des existentiellen Denkens aphoristisch, bildhaft zu beschreiben. Ihm lag vor allem daran, in diesem Absolutgewähltsein als Christ zu leben. Seine Rede will erbauliche Rede sein. .,Xur die Wahrheit, die dich erbaut, ist Wahrheit für dich." Die wissenschaftliche Absicht wird durch eine soteriologische ersetzt. Die Schwierigkeiten in der Mitteilung solcher Erkenntnisweise werden in allen seinen Schriften offenbar. Die psychologische Zuständlichkeit des in der natürlichen Existenz geängsteten Subjekts läßt sich weder mit Gedanken ausdenken noch mit Denkmitteln vermitteln. Seine Gestalt läßt sich nur im besonderen Falle sehen. Die Struktur derselben bleibt eine Problematik, die ihre Auflösung und damit das Erlösende kraft jener Grundentscheidung schon heimlich in sich trägt. Als Frucht der Selbstbesinnung steigt das Bild eines schwermütigen Dichters vor unseren Augen auf, der sagen möchte, was er erleidet, und ewig fragt, was er tun kann. Sein Können aber bleibt ein Dichten. Mit der Struktur einer absoluten Problematik lassen sich w ohl Propheten und Apostel geistesgeschichtlich deuten, aber 268

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