Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Mensch ist es, der seine Existenz als Sehender in der Gestalt des Gebunden- und vielfach Geängstetseins vorausschaut. Gottes Wirkung ist schon der Gestalt und Struktur eingefügt und zugesprochen. Die angeblich von außen wirkende Ursache und das angeblich transzendente Ziel der Frage sind ein und derselbe Schlußstein in diesem kunstvollen Gefüge. Es bleibt also dieses Transzendente ein vom Existentiellerkennenden kraft seiner Grundentscheidung vorbedachtes, ausdrücklich eingebildetes Vorgesehenes, also ein immanentes Moment seines dialektischen Systems (Ontologie). Es handelt sich um die petitio principii eontradictionis eines existentiellen Denkens. Der Standort erweist sich prinzipiell als ein im Widerspruch verdoppelter dialektischer Standpunkt, der nur deshalb ein Standort im Dasein zu sein scheint, weil das Transzendente (das kein Transzendentes in Wirklichkeit ist) als Übernatur vorgesehen und für das Ja des Menschen als Nein vorweg behauptet wurde. Deshalb erscheint der Erkennende auch nur irrtümlich als Fragender. Im Grunde ist die Antwort durch die Grundentscheidung des In-Fragegestellt-Seins längst gegeben und auch die Erlösung von der Angst oder die Auflösung der Differenz durch die mystische, eingebildete Harmonie schon gewiß (coincidentia oppositorum). Es beruht also die Offenheit des neuen Denkens auf einer Selbsttäuschung schon bei dem Klassiker der existentiellen Denkweise, bei Kierkegaard, von dessen Irrturn wir heute sehr viel lernen können. Die Grundentscheidung wurde nach ihm durch freie Wahl des Menschen ergriffen und als Vorgegebenheit angenommen. In dieser Annahme liegt schon der Glaube, der die Erkenntnis sicher stellt, zugleich aber in der Erkenntnis sich gründet. Auch hier läßt sich der Zirkel nachweisen, der allerdings für den existentiellen Denker keinen Vorwurf bedeutet, weil er in diesem seine Existenz zu haben meint. Gott ist das allein Entscheidende, und doch hat der Menseh sich schon vorweg im Vor-Haben für die Entscheidung entschieden. Das Transzendente, zu dem wir im Glauben die Beziehung haben, liegt innerhalb der Struktur der Dialektik. Es fällt nicht dadurch wieder heraus, daß ich die Dialektik als Problematik darstelle und den Einzelnen unaufhörlich in jedem Augenblicke nach dem Sinn seines Seins fragen oder ihn selbst in Frage gestellt sein lasse. Das Ansehen dieser Problematik läßt sieh heute zunächst durch solche Fraglichkeit selbst noch nicht sehr von außen anfechten; durch die angeblich konkrete Haltung steht ein solcher fragender