Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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EBERHARD GRISEBACH DIE GRUNDENTSCHEIDUNG DES EXISTENTIELLEN DENKENS UND IHRE KRITIK AntivoTt an Hermann Herrigel In der Bekämpfung der Absolutheitsansprüche, die die Verantwortung in Gegenwart und Gemeinschaft gefährden, stimmen unsere Arbeiten der letzten Jahre der allgemeinen Tendenz nach sicherlieh überein. Sie hatten die Freundlichkeit, dieses Verbindende in Ihrem offenen Briet zu betonen, ohne aber die Differenz unseres Ausgangspunktes und unseres Weges zu verschleiern. Es bleibt auffallend, daß wir trotz der gemeinsamen Grundabsicht zu ganz verschiedenen Ergebnissen kommen. Sit» Ö c lehnen alle Thesen und Konsequenzen des kritischen Denkens \ om Standort des neuen Denkens ab. so die Scheidung von Erinnerung und Erfahrung, von Wahrheit und Wirklichkeit, von Philosophie und Theologie, und suchen ihre Welten miteinander zu verknüpfen. Wenn wir zu einer letzten Klärung unseres Gegensatzes kommen wollen, so müssen wir den Ort, von welchem aus Sie die absolute Systematik des spekulativen Idealismus bekämpfen, mit der Plattform vergleichen, von der aus dakritische Denken als Wissenschaft alle Erkenntnisweisen., auch die des wirklich erkennenden Einzelnen überprüft. Da Sie dem Intellektualismus des allgemeinen Denkens gegenüber von dem besonderen Erkennenden, der schon an sich Realität habe, ausgehen wollen, so nehmen Sie den gleichen Standpunkt wie Sehelling oder Kierkegaard gegenüber dem Hegeischen Svstem ein. Diese beiden betonten ja auch im Gegensatz zu der allgemein mediierenden Denkbewegung des abstrakten Bewußtseins die konkrete Existenz des einzelnen im Dasein sich vorfindenden Subjekts. Lassen Sie mich auf den wesentlichen Kern dieser Position, auf die hier v orliegende Grundentseheidung des „Existentiellen Denkens44 svstematisch eingehen, um an ihr exemplarisch zu zeigen, weshalb das kritische Denken nicht allein gegen die Auflösung der Wirklichkeit durch die Ideologie des Idealisinus, sondern gerade und vornehmlich gegen die Grundposition des angeblich existentiellen, neuen Denkens sich wendet, weil auch dieses an dem Problem der Wirklichkeit vorbeiführt und Verantwortung in Gegenwart und Ger? ~ meinschaft gefährdet. Wir sind also nicht nur gegensätzlich in der Methode 263