Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 2 · page 37

    eben das, was er ist. Ihn irgendwo anders hinstellen, heißt ihm Sinn, Klang und Gestalt nehmen. Jedes Wort färbt sieh anders naeh seiner Umgebung. Die Worte bekommen eine Verwandeltheit beim Zitieren. Der Vers, der angeführt wird, ist nicht…

  2. 1929-01-01 · Heft 2 · page 38

    Hieran wird man denken dürfen — müssen —, wenn man von Maximin hört; und an das Gefühl von Vorläufertum, das die Gedichte immer wieder aussprechen. Kein Mensch ist zu begreifen und so ist es auch Stefan George nicht. Es gibt keinen Erklärun…

  3. 1929-01-01 · Heft 2 · page 39

    HERMANN HERRIGEL BRIEF AN EBERHARD GRISEBACH Es scheint mir, wir können die Diskussion nicht so liegenlassen, wie sie sich in den beiden Aufsätzen des letzten Heftes darstellt. Was wir beabsichtigten, eine zwischen uns bestehende Differenz …

  4. 1929-01-01 · Heft 2 · page 40

    tragfähiger sei als das idealistische Denken". Ich darf hier vielleicht sagen, daß mein Buch nicht über „das neue Denken" geschrieben ist, wie wenn ich schon vorher davon gewußt hätte, sondern daß das nur als Titel über das Buch geschrieben…

  5. 1929-01-01 · Heft 2 · page 41

    Gegenwart, eine Deutung der Zeit. „Die Identifizierung von Wahrheit und Wirklichkeit ist mit Wahrhaftigkeit nicht zu vereinbaren*" - Diese Unterscheidung kann nicht wichtig genug genommen werden und ich möchte dasselbe noch allgemeiner sage…

  6. 1929-01-01 · Heft 2 · page 42

    wichtig, und ich glaube, daß hier der eigentliche Grund unserer Differenz hegt. In Ihrem ganzen Buche sprechen Sie nur von der Erkenntnis, nicht vom Erkennenden. Daher sprechen Sie auch von einer „Haltung66 nicht bei der Erkenntnis, sondern…

  7. 1929-01-01 · Heft 2 · page 43

    für Sie keine Rolle, da ja alle diese Prinzipien in der Einheit des esens oder des Selbst enthalten sind. Da es für Sie im Wesen des Selbst liegt, daß es nur sich selbst will, sind auch die Entfaltungsformen des Selbst von vornherein in das…

  8. 1929-01-01 · Heft 2 · page 44

    kritisch zur Grundlage, zum Prinzip von Folgerungen gemacht wird. Die prinzipielle Betonung ist also eine Wertung, vielmehr eine Uberwertung des Inhaltes einer Wahrheit, die mit der logischen Konstituierung nichts zu tun hat. Das prinzipiel…

  9. 1929-01-01 · Heft 2 · page 45

    die bestimmte Bedeutung und der Umfang des Subjekt wort es, da ja eine Aussage nur von dem Gegenstand gelten kann, über den sie gesagt ist. Es gehört dazu, wenn ich Ihr Buch als Beispiel nehme, der bestimmte Sinn, in dem Sie von Gegenwart, …

  10. 1929-01-01 · Heft 2 · page 46

    werden soll, sondern ihr ist das Denken als eine Teilfunktion eingegliedert. Ich möchte aber ausdrücklich davor warnen, die dunkle Tiefe als eine Art Lebenskraft oder als ein anderes Irrationales positiv zu machen und zu substantialisieren;…

  11. 1929-01-01 · Heft 2 · page 47

    ein Raum für das Problem der Religion und der Gnade, das keine philosophische oder theologische Konstruktion mehr lösen oder einbeziehen kann. Deshalb kann nur auf diesem Boden der Erfahrung und des Glaubens eine endgültige Wandlung alles u…

  12. 1929-01-01 · Heft 2 · page 48

    wie die Gnosis meint, die Unmittelbarkeit des Schauens der Wirklichkeit erschließt, sondern daß er ihn die Grenzen seiner selbst sehen läßt. Er ermöglicht ..das Realverhältnis des Menschen zur Welt" (Buber), und in diesem Sinne sagte ich, d…

  13. 1929-01-01 · Heft 2 · page 49

    stische Welt bezeichnen und die alle mögliche Wahrheit, alle Werte, alle Tugenden umfaßt, einen so absoluten Charakter. Die Methode Ihres Buches besteht darin, alle Erkenntnis kritisch daraufhin zu prüfen, ob sie der Ichwelt angehört, und d…

  14. 1929-01-01 · Heft 2 · page 50

    denkende Mensch ebenso wie der handelnde Mensch in der Problemlage der Gegenwart steht, also vor die Entscheidung gestellt und verantwortlich ist. Ihre radikale Kritik der Erkenntnis-überhaupt bringt es mit sich, daß Sie das Leben des Mensc…

  15. 1929-01-01 · Heft 2 · page 51

    Denken die Grundentscheidungen eine viel größere Bedeutung haben als die Logik. Der Satz Pascals: „les grandes pensees viennent du Coeur*4 brauchte nicht auf die „großen44 Gedanken eingeschränkt zu werden. Die relative Bedeutungslosigkeit d…

  16. 1929-01-01 · Heft 2 · page 52

    um eine Entscheidung in der Vertikale, sondern um die Entscheidung in der Horizontale, die in jedem Augenblick des Lebens von neuem gefällt werden muß. Im Felde des Denkens ist diese Aufgabe der Kritik die des kritischen Verstehens. Die Auf…

  17. 1929-01-01 · Heft 2 · page 53

    meinen, in der Absicht, die dem ganzen Buch zugrunde liegt und die den Zusammenhang und den Fortgang von Satz zu Satz, von Abschnitt zu Abschnitt herstellt, die den Raum ausfüllt, der zwischen den Worten und den Zeilen ist, dann sind wir im…

  18. 1929-01-01 · Heft 2 · page 54

    ERNST LOE WEN THAL ÜBER DEN EID 1 Der Eid ist einer der wenigen Bräuche, an denen sich noch heute erweist, was die Religion über ein \olk und eine Zeit in ihrem öffentlichen Leben vermag. Wenn sollet der Staat sich auf das geistliche Gebiet…

  19. 1929-01-01 · Heft 2 · page 55

    …ng täglich vorkommen"*. Der wahre Sinn des Eides ist völlig vergessen. Fremd und unpraktisch mutet es uns an, wenn etwa Zacharias Frankel, der bedeutende Rabbiner aus der Mitte de-, vorigen Jahrhunderts, verlangt: „Der Eid darf nie ganz zum Rechtsmittel her…

  20. 1929-01-01 · Heft 2 · page 56

    wohl stellen, den Hut unterm Arm anständig tragen und den Mantel auf eine galante Weise zurückschlagen . . Aus dem heutigen Leben und Treiben an einem großen Amtsgericht ein paar Beispiele : Wir allzu unbeschäftigten Referendare beobachten …