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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 51

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 51)
Language
German
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Denken die Grundentscheidungen eine viel größere Bedeutung haben als die Logik. Der Satz Pascals: „les grandes pensees viennent du Coeur*4 brauchte nicht auf die „großen44 Gedanken eingeschränkt zu werden. Die relative Bedeutungslosigkeit des Logischen gegenüber den Grundentscheidungen verbietet es, die Kritik auf den Grenzfall des prinzipiellen Denkens zu beschränken. Das existentielle Denken ist nicht vom reinen Subjekt aus zu verstehen. Das reine Denken ist nicht produktiv, produktiv kann nur die Art sein, wie es angewandt wird; es vermag nichts aus dem Topf zu holen, was nicht vorher hineingetan ist. Es ist wirklich nicht mehr als eine Technik. Daher darf aber auch die Kritik nicht beim Ich als Prinzip des Denkens stehenbleiben, sondern seine Aufgabe liegt beim realen denkenden Subjekt. Ihre Kritik beschränkt sich auf den einen Gesichtspunkt, daß Erinnerung nicht Gegenwart ist, daß die Erkenntnis nur innerhalb ihrer Ze it gilt und nicht zeitlos. Darum ist auch die Zeitlehre der notwendige Gipfel Ihres Buches. Aber auch hier sprechen Sie nur von der Zeit der Erkenntnis und der Zeit der Gegenwärtigen, aber nicht von der Zeit des Denkenden. Das Denken als lebendige Funktion schließt die Zeit nicht ein wie die Erkenntnis, sondern es vollzieht sich in der Zeit. Denken ist selber gegenwärtig, wenn es das Denken eines Gegenwärtigen, nicht in der Erinnerung gefangenen Menschen ist. Die Kritik steht also auch nicht bloß vor der einen Entscheidung: Erinnerung oder Gegenwart, sondern sie hat eine differenziertere Aufgabe. Auch eine Zeit hat ihre bestimmten Grundentscheidungen, die das Geltungsbereich ihrer Erkenntnis begrenzen. Was Descartes, was Kant gedacht hat, ist nicht schlechthin von zeitloser Geltung, sondern es muß wie aus einer Tonart in die andere, aus ihrer Zeit in die unsere transponiert werden. Die Kritik kann aber auch dabei noch nicht stehenbleiben, denn jede Zeit hat unter den Gleichzeitigen wieder Unterschiede der Grundentscheidungen. I nd sie erwächst für uns als um so bedeutungsvollere und riesenhaftere Aufgabe, als heute unter den gleichzeitig Lebenden die Unterschiede der Grundentscheidungen die Gemeinsamkeit weit zu überwiegen seheinen. Mit der Differenzierung hat sich aber auch die Funktion und Bedeutung der Kritik gewandelt. Es handelt sich nun nicht mehr bloß um eine prinzipielle Entscheidung zwischen Ja und Nein, für die Wirklichkeit oder gegen die Wirklichkeit, für die Gegenwart oder für die Erinnerung, 187

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