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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 48)
Language
German
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wie die Gnosis meint, die Unmittelbarkeit des Schauens der Wirklichkeit erschließt, sondern daß er ihn die Grenzen seiner selbst sehen läßt. Er ermöglicht ..das Realverhältnis des Menschen zur Welt" (Buber), und in diesem Sinne sagte ich, daß er dem Menschen die „Einstellung" zur Wirklichkeit gibt, die Einstellung, die nicht selber schon Erkenntnis ist. Der Glaube stellt den denkenden Menschen ebenso in die Wirklichkeit, wie Sie es vom praktischen Menschen sagen, indem er ihm seine prinzipiellen Ansprüche nimmt. Sie spalten die Welt — das war ja mein Haupteinwand gegen Ihr Buch — in Erinnerung und Gegenwart auf, in das satanische Ich der Erkenntnis und den Menschen, der in der Gegenwart, dem möglichen Ort der Wirklichkeit, steht. Freilich „Erkenntnis" ist nur Erinnerung und wer in der Erinnerung gefangen bleibt, ist von der Gegenwart abgeschlossen. Warum sollte aber nicht der denkende Mensch in der Gegenwart stehen können, sofern er frei ist von dem Anspruch des prinzipiellen Denkens? Alles das läßt sich nur hypothetisch sagen: nur wo die Wirklichkeit geglaubt wird, entgeht man dem systematischen und prinzipiellen Anspruch. Wie soll man vom Glauben überhaupt anders sprechen, da er weder allgemein vorausgesetzt, noch allgemein gefordert werden kann! Der Glaube als die Voraussetzung des „neuen", seiner Grenzen bewußten Denkens kann nicht ein für allemal „gewonnen" werden; man kann sich seiner nicht wie eines Gedankeninhaltes bemächtigen—wobei ich noch offenlasse, wieweit das möglich ist; er kann also nicht zum Prinzip einer neuen allgemeingültigen Erkenntnis gemacht werden. Von Glauben zu sprechen, hat nur Sinn, wenn er dem Ich nicht nach seinem Belieben und seinen Ansprüchen verfügbar ist. Nur dadurch, daß der Glaube nicht vorgestellt oder gewollt werden kann, daß er nicht ein theoretischer Inhalt ist, sondern Ereignis, selber Wirklichkeit, vermag er das Ich in die Wirklichkeit zu stellen und dem Ich durch die Begegnung mit der Wirklichkeit Wirklichkeit zu geben. Er ist keine allgemeingültige Theorie der Existenz, sondern die existentielle Haltung des Menschen. Die Aufgabe der Kritik Da Sie nur von der Erkenntnis sprechen, nicht aber vom erkennenden Menschen; da das Ich in Ihrem Buche nur als Prinzip vorkommt, nicht als Subjekt, erhält die ganze Welt des Ichs, die Sie als die hurnani- 184

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