Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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stische Welt bezeichnen und die alle mögliche Wahrheit, alle Werte, alle Tugenden umfaßt, einen so absoluten Charakter. Die Methode Ihres Buches besteht darin, alle Erkenntnis kritisch daraufhin zu prüfen, ob sie der Ichwelt angehört, und dann diese ganze ^elt in Klammer zu setzen. Da Sie aber die Erkenntnis von vornherein nur formal als Gedachtes verstehen, ist Ihre kritische Frage auch immer schon von vornherein entschieden. Sie sehen an der Erkenntnis nur, daß sie alle Schranken übersteigen will, nicht aber, daß sie es nicht kann. Sie sehen nur den satanischen Willen des Ichs, der sein Wesen ausmacht, und übersehen daher notwendig die existentielle Grenze des denkenden Mensehen. Die humanistische Welt erscheint bei Ihnen als unbedingt, d. h. als in sich, auf Grund ihrer eigenen Prinzipien autonom. Ich bestreite diese Autonomie, die darauf beruht, daß Sie das reale Ich, das denkt, zugleich zum Prinzip seines Denkens machen. Während der Idealismus das transzendentale Subjekt, das Prinzip des Denkens, zugleich als das reale Subjekt ansetzt, ist bei Ihnen das reale Ich ganz vom transzendentalen aufgesogen. Es ist seinem Wesen nach selber ganz Anspruch, so daß es jeden andern Anspruch ausschließt. Dieses Zusammenfallen von Ich und Anspruch ist der theoretische Grenzfall des prinzipiellen Denkens. Ihre Kritik zieht nur diesen Grenzfall in Betracht. Die Kritik des Grenzfalls trifft zwar jeden möglichen prinzipiellen Anspruch, aber sie trifft nur das Prinzip des Anspruchs, das satanische Ich, das Grenzfall-Ich, nicht aber das reale, praktische Ich des Denkens. Da Sie nur von der Erkenntnis sprechen, gilt das. was Sie sagen, auch nur von der Erkenntnis. Die Kritik des Grenzfalls ist radikal, aber sie ist nur radikal und trifft die Erkenntnis nur als Ganzes - nicht aber das Subjekt der Erkenntnis nach dem Maß seines prinzipiellen Anspruchs. Weil Ihre Kritik nur radikal ist, kann sie auch die Erkenntnis nur radikal, als Ganzes verwerfen. Sie kann nicht differenzieren und die Erkenntnis für das Bereich, von dem sie spricht, innerhalb der durch ihre Grundentscheidungen gesteckten Grenzen, gelten lassen. Lud schließlich verwirft sie die Erkenntnis mit einer prinzipiellen Begründung, nämlich weil sie auf dem Ichprinzip beruht, nicht aber weil prinzipielle Erkenntnis für den Einfall nicht mehr zuständig ist, da sie von vornherein von etwas anderem spricht. Die Kritik der Erkenntnis-überhaupt übersieht notwendig, daß der 185