Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 2 · page 17

    Doch bei Blumen und Pflanzen des Hausgärtleins oder des Fensterbretts drückt der Skeptiker noch eines seiner skeptischen Augen zu und versagt sich den ausdrücklichen Widerspruch, ein sicheres Zeichen, daß hier noch nicht die Gegend des erst…

  2. 1929-01-01 · Heft 2 · page 18

    … als unverträglich bewiesen. Weil es nun einmal von Uhren geht, so sei auch dies noch erzählt: Der Freiburger Professor Alban Stolz hat in seinen Büchern öfters davon gesprochen, daß seine Uhr stehenblieb, wenn ein ferner Freund von ihm gestorben war.…

  3. 1929-01-01 · Heft 2 · page 19

    zeit gingen. Da schickte es sich, daß der Besitzer dieser Uhr in den Besitz eines Präzisionswerkes kam, das wenigstens einen Monat lang die Zeit bis auf die Minute genau anzugeben versprach. Von diesem Tage an richtete sich die ältere Uhr g…

  4. 1929-01-01 · Heft 2 · page 20

    „wenn ein Ehering verlorengeht, dann stirbt das andere!64 Und unterhalb meines Kritizismus und meines Gottvertrauens begann sich eine schlimme Angst einzunisten. Als ich gegen Abend einen Augenblick in unserer Schlafstube war, umfing mich p…

  5. 1929-01-01 · Heft 2 · page 21

    An jenem Abend also kam sie zu mir und sagte: „Du hast doch einmal deinen Ring verloren? Hier bringe ich ihn dir!" Lud richtig, es war der mit den Anfangsbuchstaben des Namens meiner Frau gezeichnete Ring! Die Schwester hatte ihn unterhalb …

  6. 1929-01-01 · Heft 2 · page 22

    WILHELM MICHEL DER MENSCH IN DER LANDSCHAFT Wir sind mitten in die Natur gestellt. Wir leben mit ihr, und namentlich als Landschaft ragt sie von allen Seiten in unser Dasein herein. Zwar ist Landschaft nur eine Zone, eine verhältnismäßig sc…

  7. 1929-01-01 · Heft 2 · page 23

    beklettern kann, ist mehr wert als ein unzugänglicher. Ein Strauch, an dem Beeren hängen, ist schöner als einer, der bloß Blätter hat. Spazierengehen zum Zwecke des Landschaftsgenusses ist sinnlos; das leibhaftige Betasten, das wirkliche Er…

  8. 1929-01-01 · Heft 2 · page 24

    enthielt eigentlich nichts weiter als die Behauptung: Ich! Aber dieses Ich war nicht meine Person, mein Leben, mein Individuum. Es war etwas durchaus Allgemeines, das in mein Haus von unten her (gleichsam von den Kellern her) eingebrochen w…

  9. 1929-01-01 · Heft 2 · page 25

    Mit dieser ganzen Lage hing es zusammen, daß ich auch meinerseits gegen die Natur störrisch, widerspenstig, verbissen wurde, nicht nur gegen die Landschaft, sondern gegen alles im Sinn der Natur liegende \ erhalten : gegen jede Hingabe, geg…

  10. 1929-01-01 · Heft 2 · page 26

    freilich fassen ihn darum auch Durchleuchtungen niemals so, daß sie ihn überall eines Sinnes machen; oder doch vielleicht eines Sinnes, aber nicht eines buchstäblich gleichen, homogenen Inhalts. Daher führen Umwälzungen in ihm nicht eigentl…

  11. 1929-01-01 · Heft 2 · page 27

    schwer der Gedanke, beladen mit Widerspenstigkeit und Trotz; aber undenklich leicht und kühn waren alle Dinge der Landschaft). An diesen Baum angelehnt, fühlte ich plötzlich die trennende Wand sich verdünnen. Es hatte auf einmal Sinn, den A…

  12. 1929-01-01 · Heft 2 · page 28

    mich nach meinem Ich um: es war, soweit es Qual war, in die Weite hinausgegangen. Ja es schien mir manchmal, als liege es nun als Landschaft draußen, als sei es nur so lange Qual und sperrige Pein gewesen, als es sich in der Enge bei mir dr…

  13. 1929-01-01 · Heft 2 · page 29

    glitten und sich um eine Bergkehre schwangen, um dann über ein Pizzicato von Treppchen sanft in die Landstraße heimzukehren. Zuletzt stellte sich eine Lust an der genaueren Unterscheidung der Figuren, Charaktere und Gestalten in der Natur e…

  14. 1929-01-01 · Heft 2 · page 30

    sah diese Lage aus. Das Ich schwand nicht mehr unter der Lockung der Natur dahin; es hielt ruhig stand, als sei es jetzt selbst so mit Kraft der Natur durchtränkt, daß diese ihm nicht mehr fremd war. Die Empörung war verströmt, das Ich durc…

  15. 1929-01-01 · Heft 2 · page 31

    MARIE LUISE ENCKEN DORFF INTERPRETATION VON GEDICHTEN Es gibt große Menschen, die wie erratische Blöcke in der Zeit liegen, in der sie leben. Sie kommen aus ihr nicht her, sie sind aus ihr nicht aufzufassen, sind nicht mit ihr zu verbinden.…

  16. 1929-01-01 · Heft 2 · page 32

    ausgäbe und mit Handschrift-Proben am Ende; mit dem Verzeichnis aller Werke und aller Preise auf dem Umschlag. — Die Verleger machen es alle so, sagt man. Ja, sie machen es alle, und das muß nun wohl so sein. Aber es hat etwas Schauerliches…

  17. 1929-01-01 · Heft 2 · page 33

    nur vernommen werden, oder er wird nieht vernommen. Der Dichter klingt an den ganzen Menschen hin. Wenn man diesen Menschen anleitet über ihn zu diskurieren, so spaltet sich der. der hören soll; er hat sich nicht mehr beisammen: und er hört…

  18. 1929-01-01 · Heft 2 · page 34

    mert den nicht, dem es um den Segen zu tun ist, den Stefan George ausstrahlt. Dazu muß ich ihn hören, jetzt diesen einen, als ob es keinen andern gäbe; gerade wie ich jetzt Dante hören muß, als ob es keinen andern gäbe und jetzt Shakespeare…

  19. 1929-01-01 · Heft 2 · page 35

    Bildenden, je nach dem, wessen sie fähig sind. So weist das Ausgelöste nie ganz einfach dahin zurück, wo es herkommt. Menschen von gedrängter geistiger Bewegtheit und Fruchtbarkeit, zu einem gelehrten Denkerberuf gewöhnt und gezogen, bei ih…

  20. 1929-01-01 · Heft 2 · page 36

    der sie hervorgegangen sind; die von George ausgeht; zu der der erklärende Helfer nicht hilft. Gundolf kann uns den Weg nicht wieder zurückführen, den er gekommen ist. Er hat den Dichter, den Seher empfunden, er hat Magie empfunden. Ich erf…