Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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für Sie keine Rolle, da ja alle diese Prinzipien in der Einheit des esens oder des Selbst enthalten sind. Da es für Sie im Wesen des Selbst liegt, daß es nur sich selbst will, sind auch die Entfaltungsformen des Selbst von vornherein in das Selbst eingeschlossen und reichen nicht heran an die Gegenwart, den möglichen Ort der Wirklichkeit, der Begegnung mit einem Du. Wo immer dem Selbst ein anderer Mensch gegenübertritt, kann es im Rahmen seiner Entfaltungsformen, innerhalb der ganzen humanistischen, auf dem Prinzip des Selbst aufgebauten Weit, seinem Wesen nach nicht anders, als sich seiner auf irgendeine Weise zu bemächtigen und sich der wirklichen Begegnung zu entziehen. Daraus folgt notwendig auch die Geschlossenheit und Abgeschlossenheit der humanistischen Welt; denn da überall, wo von ihr die Rede ist, vom Ich nur als dem Prinzip dieser Welt, nicht aber als dem realen, in der Zeit lebenden Menschen die Rede ist, so ist dieser Welt von vornherein die Möglichkeit einer Beziehung zur jenseits ihrer Grenze liegenden Vi irkliehkeit genommen, die ja nur der wirkliche Mensch haben könnte. Sie geben dieser Welt gar keine andere Möglichkeit des Seins als die absolute, systematisch in sich abgeschlossene, da Sic das Ich als Subjekt der \\ elt nur im Grenzfall des sich selbst absolut setzenden und zum Prinzip des Seins machenden satanischen Ich einführen. Diese Welt kann allerdings nur ebenso radikal abgebaut werden, wie sie prinzipiell vorher aufgebaut ist. Die Grundentscheidungen Ich habe vom neuen Denken nicht als von einer neuen Wahrheit des sich selbst prinzipiell absolutierenden und mit der Totalität identisch setzenden Ichs gesprochen, sondern gerade umgekehrt von der Haltung des Denkenden, in der er sich nicht absolut setzt und das, was er denkt, nicht prinzipiell denkt. Die Voraussetzung meines Buches ist es, daß der Denkende nicht notwendig identisch ist mit den logischen Prinzipien der Wahrheit; daß es Wahrheit gibt, ohne daß sie an sich schon prinzipiell betonte Wahrheit ist; daß die prinzipielle Betonung der Wahrheit eine Sache des denkenden, in der Zeit lebenden Menschen, also eine Sache der Psychologie, nicht der transzendentalen Logik ist. Eine Wahrheit ist nicht dadurch prinzipiell, daß sie auf formalen logischen Prinzipien beruht, die ihre Allgemeingültigkeit verbürgen, sondern daß sie un- 179