Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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ein Raum für das Problem der Religion und der Gnade, das keine philosophische oder theologische Konstruktion mehr lösen oder einbeziehen kann. Deshalb kann nur auf diesem Boden der Erfahrung und des Glaubens eine endgültige Wandlung alles und jedes systematischen Denkens sich vollziehen." Ich stimme Ihnen vollkommen zu, daß die Möglichkeit dieser Wandlung in der Erkenntnis vergeblich gesucht wird, aber doch ist sie nicht nur für den handelnden, sondern auch für den denkenden Menschen gegeben, denn auch Denken ist Praxis. Sie fahren fort: ..Aber nach dieser Wandlung darf man nicht mehr behaupten, ein „neues Denken44 gewonnen zu haben, das zulänglicher und tragkräftiger sei al> das idealistische Denken/4 Auch das erkenne ich an, wenn ich an Stelle von neuem Denken und idealistischem Denken einsetze: neue Erkenntnis und idealistische Erkenntnis. Die Differenz zwischen uns liegt nicht darin, daß ich glaube, die \\ irklichkeit doch noch theoretisch umfassen und begründen zu können, sondern gerade umgekehrt, daß ich auch die Erkenntnis, auch die humanistische Welt für problematisch, für ungesichert, für offen halte, während Sie die Erkenntnis als Selbstwert einschließen und außerhalb der Problematik stellen. Ich bestreite es, daß unsere Natur als Prinzip „in der Welt der Wissenschaft und der erinnerten Geschichte unbedingt maßgebend ist". O 5? Ich führe daher auch den Glauben nicht als einen „Standpunkt"* ein, der dem Ich eine neue, positive Erkenntnismöglichkeit gewährt. Der Glaube steht nicht auf derselben Ebene wie die Gesetze des logischen Denkens, er hat mit diesen Gesetzen gar nichts zu tun und greift nicht wie ein Prinzip von innenher bestimmend in das Denken ein, sondern er gibt dem Denken eine andere Richtung. Wie der Anspruch des prinzipiellen Denkens dem realen Menschen zugehört, so auch der Glaube. Er macht nicht erst hinterher zum fertigen System der Erkenntnis einen Generalvorbehalt; Vorbehalte, die erst hinterher kommen, können nicht mehr viel bessern. Sein Ansatzpunkt ist nicht die Erkenntnis, sondern der erkennende Mensch. Indem er den Menschen wandelt, wandelt er auch den erkennenden Menschen. Ohne Glauben kann der Mensch seinen Halt nur darin finden, daß er sich selbst als autonom stabilisiert und verabsolutiert. Der Glaube ist es, der ihn von seinem Autonomiewahn, davon, daß er sich selber zum Prinzip macht, befreit. Die Bedeutung, die der Glaube für die Erkenntnis hat, liegt nicht darin, daß er dem Menschen, 183