Mannheim
Compact Memory

Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2823768-2823769-2823772--1161-2824976
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

HERMANN HERRIGEL BRIEF AN EBERHARD GRISEBACH Es scheint mir, wir können die Diskussion nicht so liegenlassen, wie sie sich in den beiden Aufsätzen des letzten Heftes darstellt. Was wir beabsichtigten, eine zwischen uns bestehende Differenz zu klären, ist damit noch nicht erreicht. Im Gegenteil — wer nur diese beiden Aufsätze liest, wird, glaube ich, einen falschen Eindruck bekommen, daß es sieh nämlich zwischen uns gar nicht um eine Differenz, sondern um einen vollen Gegensatz handelt. Wir haben, weiß der Teufel w arum, den Gegensatz stärker betont als das Gemeinsame. Es ist aber ein Gemeinsames da und es muß daher auch gelingen, die beiden Bücher auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Es muß sich der Punkt finden lassen, bis zu dem wir zusammengehen und an dem wir uns scheiden; es muß sieh aus unsern Voraussetzungen verstehen lassen, warum wir an diesem Funkt auseinandergehen und ob wir in der Hauptsache oder in Nebensachen einig oder uneinig sind. Daß wir dabei die Aufgabe der Klärung aus den Augen verlieren und in ein Harmonisieren um jeden Preis hineingeraten, ist nach den beiden ersten Aufsätzen nicht zu befürchten. Eher dürften wir uns daran erinnern, daß auch mit der Herausstellung des Gegensätz- 7 c c liehen allein noch keine Klärung erreicht ist. * Zunächst muß ich sagen, daß Sie mich in einigen wichtigen Stücken mißverstanden haben. Aber gerade von diesem Mißverständnis aus, das gewiß kein zufälliges ist, glaube ich jetzt die Differenz zwischen uns klarer zu sehen und zu verstehen als vorher. Sie gehen von vornherein mit einer falschen Erwartung und daher auch mit einer falschen Fragestellung an mein Buch heran, falsch wenigstens, wenn Sie in dem, was Sie erwarten, auch meine Absicht zu verstehen glauben. „Offenbar zielt H. auf den Abbau der Überschätzung prinzipiellen Denkens. In dieser Tendenz liegt der Wert seines Buches, den wir voll anerkennen müssen, wenn ihm der radikale Abbau auch wirklich gelingt.66 Der radikale Abbau ist jedoch so, wie Sie ihn fordern und vollziehen, nicht meine Absicht, und er ist es darum nicht, weil ich auch in anderm Sinne als Sie von ,,prinzipiellem46 Denken spreche. Ich behaupte auch nicht, „ein neues Denken gewonnen zu haben, das zulänglicher und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.