Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 2 · page 57

    vor dem Eide zu heben. Wohl müssen alle Anwesenden aufstehen, hie und da ist es auch Brauch, daß der Vorsitzende sich bedeckt; doch wird dies Wenige schon als unbequem empfunden und mag auf den Schwurpflichtigen auch eher verwirrend als erh…

  2. 1929-01-01 · Heft 2 · page 58

    schichte sind Luthers Worte auf dem Reichstag zu Worms: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir! Amen." Luther selbst sagte nur das schlichte: ..Gott helf mir, Amen!44 Aber das Volk bewies das feinste Verständnis für den Sinn…

  3. 1929-01-01 · Heft 2 · page 59

    geniert sich noch mehr: man wagt es nicht, den Schwörenden so anzureden, daß seine Person, der Eid und seine Heiligkeit in eine offenkundige Beziehung gesetzt werden. Es ist keine bedeutungslose, rein sprachlich-zufällige Form, daß in diese…

  4. 1929-01-01 · Heft 2 · page 60

    alten deutschen Rechtsanschauungen und die Lehren des Alten und Neuen Testaments, die durch das Christentum Einfluß erlangt haben. Dem Gebiet des deutschen Rechts gehört der Grundsatz an, daß jedes Zeugnis beschworen sein muß. Der Eid ist e…

  5. 1929-01-01 · Heft 2 · page 61

    vor dem Mißbrauch des Gottesnamens wird gewarnt, und hieran knüpft die weitere Entwicklung an1). Gewiß findet der Eid auch im Gericht seine \ erwendung (II. Mose 22, 10), aber doch nur, weil eine Trennung zwischen geistlichen und weltlichen…

  6. 1929-01-01 · Heft 2 · page 62

    Das Christentum hat nun das evangelische Eidesverbot seit Augustinus, also seit seiner Befestigung im Abendlande, so umgedeutet und abgeschwächt, daß nur der Privateid als verboten galt, und mit Ausnahme einiger Sekten stehen alle christlic…

  7. 1929-01-01 · Heft 2 · page 63

    mit „Staat", gemacht hat, das hat mit dem Klang des alten Wortes wenig mehr gemein. Heute ist für den Staats- und Kirchenrechtler, für den Religiotissoziologeu und -historiker der weltliche Staat ein klarer, sauberer Begriff, ein Gebilde, d…

  8. 1929-01-01 · Heft 2 · page 64

    Beweis hierfür, und der völlige Ausschluß mildernder Umstände und einer anderen als der Zuchthausstrafe bei diesem Delikt ändert daran gewiß nichts! Selbst die gelegentlichen Versuche, den Eid der Kirche in die Hand zu geben, sind in gleich…

  9. 1929-01-01 · Heft 2 · page 65

    MARTIN BUBER ZWIESPRACHE Urerinnerung In allerlei Abwandlungen kehrt mir, zuweilen nach einem Zwischenraum von mehreren Jahren, der …

  10. 1929-01-01 · Heft 2 · page 66

    scheinen sich die auf den einen gleichen Ruf entgegnenden Rufe nicht zu gleichen. Die Stimme ist jedesmal eine neue. Wie nun aber die Erwiderung zu Ende ist. im ersten Nu nach ihrem abscheidenden Schall, gerät eine Gewißheit, eine echte Tra…

  11. 1929-01-01 · Heft 2 · page 67

    gung, nennt), so bedarf es hinwieder zu einem Gespräch keines Lauts, nicht einmal einer Gebärde. Sprache kann sich aller Sinnenfälligkeit begeben und bleibt Sprache. Ich meine natürlich nicht das zärtliche Ineinanderschw eigen der Liebesleu…

  12. 1929-01-01 · Heft 2 · page 68

    rückhaltlos aufnimmt. Er wird niemand, auch nicht sich selbst, erzählen können, was er erfahren hat. Was „weiß" er nun vom andern? Es bedarf keines Wissens mehr. Denn wo Rückhaltlosigkeit zwischen Menschen, sei es auch wortlose, gewaltet ha…

  13. 1929-01-01 · Heft 2 · page 69

    In Begriffen ist das, um was es hier geht, dem lesenden Mensehen nieht zu überreichen. Und in Gleichnissen ist nicht mehr gegeben zu reden. Aber in Beispielen dürfen auch wir's noch, nur haben wir, wo es \\ ichtiges gilt, uns nicht zu scheu…

  14. 1929-01-01 · Heft 2 · page 70

    Wandlung erfüllte sich die Dialogik. Die Meinungen waren versunken, leibhaft geschah das Faktische. Religi o nsgespräche Hier erwarte ich einen gewichtigen Einwand und einen gewaltigen. Man kann mir entgegnen: Wo es um wesentliche, „weltans…

  15. 1929-01-01 · Heft 2 · page 71

    …n- O C* C* C7 wärtigen Zeitalters vermag von dem Wort Gottes das zu glauben, was Luther und Calvin (oder gar Samuel und Elija) von ihm geglaubt haben. Nicht weil wir glaubensschwach seien; es wird bleiben, wenn unser Glaube noch so sehr erstarkt…

  16. 1929-01-01 · Heft 2 · page 72

    Fragestellung Das Dialogische ist nicht auf den Verkehr der Menschen miteinander beschränkt: es ist. so hat es sich uns gezeigt, ein Verhalten der Menschen zueinander, das sich in ihrem Verkehr nur eben darstellt. Demnach scheint, mag auch …

  17. 1929-01-01 · Heft 2 · page 73

    dessen organischer Arbeit, die das Erhaltenswerte erhält. Er fährt nicht, wie der Beobachter, das Gras als Grünfutter ein, er wendet's und läßt's von der Sonne bescheinen. Auf Züge paßt er nicht auf (,,Züge*\ sagt er, „führen irre"). Am Geg…

  18. 1929-01-01 · Heft 2 · page 74

    Dieser Mensch ist nicht mein Gegenstand; ich habe mit ihm zu tun bekommen. Vielleicht habe ich etwas an ihm zu vollbringen; aber vielleicht habe ich nur etwas zu lernen, und es kommt nur darauf an, daß ich ..annehme". Es kann sein, daß ich …

  19. 1929-01-01 · Heft 2 · page 75

    Die Zeichen der Anrede sind nicht etwas Außerordentliches, etwas was aus der Ordnung der Dinge tritt, sie sind eben das, was sich je und je begibt, eben das, was sich ohnehin begibt, durch die Anrede kommt nichts hinzu. Die Ätherwellen brau…

  20. 1929-01-01 · Heft 2 · page 76

    keit von Regeln, Gesetzen und Analogieschlüssen. Was man so Aberglauben nennt, kommt mir eher wie ein Aberwissen vor. Vom „Aberglauben" an den Dreizehnten führt eine ununterbrochene Leiter bis in die schwindligsten Höhen der Gnosis; von ein…