Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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kritisch zur Grundlage, zum Prinzip von Folgerungen gemacht wird. Die prinzipielle Betonung ist also eine Wertung, vielmehr eine Uberwertung des Inhaltes einer Wahrheit, die mit der logischen Konstituierung nichts zu tun hat. Das prinzipielle Ja oder Nein bejaht oder verneint nicht den ahrheitswert eines Satzes (ist also etwas anderes als belief!), sondern die Bedeutung, die Wichtigkeit, das Bereich, die Tragweite seiner Geltung. Lnd zwar wird eine Wahrheit dann prinzipiell, wenn sie als einzige, als totale Wahrheit, und das heißt eben als Wirklichkeit genommen wird; oder wenn ein Satz, der im Zusammenhang des Denkens eine bestimmte, begrenzte Funktion hat, verabsolutiert, d. h., aus dem begrenzenden Zusammenhang herausgelöst und als isolierte, substantielle Wahrheit hingestellt wird. Der Satz von der Winkelsumme im Dreieck gilt bekanntlich nicht schlechthin, nicht vom Dreieck überhaupt, sondern nur vom Dreieck des durch die Axiome der euklidischen Geometrie bestimmten und definierten Raumes, ohne daß diese Beschränkung seines Geltungsbereiches seiner Wahrheit Abbruch täte. Warum man den euklidischen Raum lange „selbstverständlich" für den Raum überhaupt genommen hat, warum er auch heute noch einen Vorzug genießt, ist nicht in geometrischen Sätzen begründet, ist innerhalb der geometrischen Erkenntnis überhaupt nicht begründbar. Diese prinzipielle Betonung der euklidischen Geometrie bedarf aber jedenfalls einer kritischen Korrektur, deren Maßstab in den nicht bloß formal-logischen, sondern inhaltlichen Voraussetzungen der euklidischen Geometrie gegeben ist. Das Geltungsbereich einer Wahrheit ist durch ihre Voraussetzungen bestimmt. Da jede Wahrheit auf bestimmten Voraussetzungen beruht, hat jede Wahrheit ihren ganz bestimmten, endlichen Geltungsraum. Diese Voraussetzungen sind nun aber in der Regel nicht und wohl nie vollständig bekannt (wenn ich mich nicht täusche, sind ja auch die euklidischen Definitionen durch Pasch um eine weitere vermehrt worden), denn sie gehören dem Felde des ..Selbstverständlichen" an. das nicht begründet und auch nicht begründbar ist. da es sich hier nicht um Erkenntnisse, sondern um Wertungenund weiterhin um „Interessen" handelt. Zu den Voraussetzungen eines bestimmten Denkens gehört z. B. schon die ganze Terminologie mit der bestimmten Abgrenzung der einzelnen Begriffe, es gehört dazu immer gerade das, wovon nicht die Rede ist, was zwischen den Zeilen steht, nicht zuletzt 180