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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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werden soll, sondern ihr ist das Denken als eine Teilfunktion eingegliedert. Ich möchte aber ausdrücklich davor warnen, die dunkle Tiefe als eine Art Lebenskraft oder als ein anderes Irrationales positiv zu machen und zu substantialisieren; sie besagt nur negativ, daß die Erkenntnis rational nicht auflösbar und durchschaubar ist. Vom Glauben Nun wird, glaube ich, die Differenz zwischen uns deutlich: Eine Erkenntnis, deren Subjekt sich selbst zum Prinzip der Erkenntnis macht, die also nur eine Selbsterkenntnis des Selbst ist, läßt keinen Raum für die Wirklichkeit. Sie kann nur radikal abgebaut werden, denn die Wirklichkeit kann nur außerhalb ihrer liegen. Das verstehe ich von Ihrer Voraussetzung her durchaus. Die Erkenntnis, von der Sie sprechen, ist ihrem Wesen nach prinzipielle Erkenntnis. Wenn das Ich gerade als Erkennendes sich absolut setzt, so kann es keine andere als prinzipielle Erkenntnis geben und diese Erkenntnis kann, da sie ja durch ihr Prinzip von der Wirklichkeit abgeschlossen ist, keinen andern als einen unbedingten Selbstwert haben. Wenn das Ich als Subjekt der Erkenntnis und das Prinzip der Erkenntnis zusammenfällt, so ist auch jede Heilbarkeit ausgeschlossen, da nur das Subjekt heilbar sein kann. Für den Glauben ist hier kein Ort, ja nicht einmal für einen Vorbehalt : der Glaube könnte nur ein Glaubenssatz, der Vorbehalt nur ein theoretischer sein. Beide gehören daher mit zum Bestand der Erkenntnis und sind mit dieser Erkenntnis schon von vornherein verworfen. So mußten Sie, ebenso wie die Begriffe des prinzipiellen und des neuen Denkens, auch den Begriff des Glaubens mißverstehen. Der Glaube ist nicht ein Prinzip der Erkenntnis, durch welches die Erkenntnis sich selbst als begnadet setzt. Er ist auch keine dogmatische Voraussetzung der Existenz des Denkens. Er ist nichts anderes als jene Haltung des Denkenden, von der ich sprach. Der Ort des Glaubens ist nicht innerhalb, sondern vor der Erkenntnis, ebenso wie auch der Mensch, der handelnd, wollend, empfindend, fühlend und auch denkend lebt, als Subjekt der Erkenntnis vor ihr ist. „Nur in der Praxis", sagen Sie, ,,wird das Problem einer Gemeinschaft wirklich gestellt, wo jedes prinzipielle Denken versagt, weil es diese Gemeinschaft niemals als die wirkliche Existenz rechtfertigen kann. Hier öffnet sich 182

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