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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 2 · page 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 2
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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tragfähiger sei als das idealistische Denken". Ich darf hier vielleicht sagen, daß mein Buch nicht über „das neue Denken" geschrieben ist, wie wenn ich schon vorher davon gewußt hätte, sondern daß das nur als Titel über das Buch geschrieben ist. Ich habe dieses Mißverständnis des neuen Denkens als etwas, was man positiv gewinnen und haben oder auch in meinem Buche suchen könnte, gefürchtet und suchte es daher im Vorwort abzuwehren: „Es soll unter dem Titel dieses Buches kein neues Programm, keine neue Philosophie verstanden werden", nichts, was auf derselben Ebene mit der idealistischen Philosophie in Wettbewerb treten, sie ersetzen und beanspruchen könnte, leistungsfähiger zu sein als sie. Das idealistische Denken ist als idealistisches eine Theorie über das Denken, die einen bestimmten Anspruch des Denkens rechtfertigen will oder auf einem Anspruch des Denkens beruht — und nur gegen diesen Anspruch habe ich mich gewandt. Das neue Denken will also auch nicht eine Korrektur des Denkens sein, sondern nur eine Korrektur einer Theorie über das Denken. Worin diese Korrektur besteht, davon wTird nachher noch zu reden sein. Jedenfalls geben Sie aber auch diesem Terminus des ..neuen Denken»" einen andern Sinn als ich ihm gegeben habe, und diese Differenz scheint mir für die Differenz unseres Denkens sehr wesentlich zu sein. Sie verstehen darunter einen neuen Inhalt, während ich eine andere Haltung des Denkenden meine. Die Frage, die Sie meinem Buche gegenüber stellen, lautet: „Handelt es sich nun hier um eine Veränderung des Standpunktes, des Prinzips der Weltanschauung, oder meint H. eine radikale Wandlung der Philosophie, die das prinzipielle Denken überhaupt als fragwürdig erscheinen läßt?" Das prinzipielle Denken erscheint mir allerdings überhaupt als fragwürdig, aber eben nur das prinzipielle Denken, nicht das Denken überhaupt. Für Sie fällt das beides zusammen, denn Sie verstehen unter prinzipiellem Denken ein „allgemeingültig begründetes Denken". Hier scheint mir nun der entscheidende Punkt zu sein. Wenn Sie von Denken sprechen, so sprechen Sie vom Gedachten, von der „Erkenntnis mit ihren wahren Sätzen", von der „Wahrheit", von der Wissenschaft, von der „humanistischen Welt in ihrer Totalität". In dieser Sphäre haben Sie vollkommen recht: alles Gedachte ist Erinnerung, es ist nicht das Geschehen selber, sondern seine „Wiederholung" (110); es ist nicht Gegenwart, nicht wirkliche Zeit, sondern höchstens eine Vorstellung der 176

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