Mannheim
Compact Memory
1,405 pages · page 55Sort: oldest first · newest first
Pages per year (click a year to narrow down)
486
19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 1 · page 113

    nerationen gemeinsam ausloten müssen, kann die politische Sprache nicht andeuten. Denn die politische Sprache wirft Ereignisse und menschliehe Handlungen geflissentlich durcheinander. Wir brauchen eine „mehraltrige4- Sprache. Die Nachkriegs…

  2. 1929-01-01 · Heft 1 · page 114

    Gnadenzeit des Nachholens schwer zugänglich, geschweige denn der widerspruchsvolle und schmerzhafte Weg der rückwärts gelebten Zeit. Aber sie können nicht anders. Denn freiwillig nimmt keine Generation diese Zerrung und Verrenkung ihres Weg…

  3. 1929-01-01 · Heft 1 · page 115

    10. Erkennen und Vergessen Man verrät also das Gesetz nicht, wenn man sieh revolutionär einschmelzen und neu aufbauen läßt. Man verrät aber auch den Schöpfer nicht, wenn man zurückkehrt in die totere, weniger lebendige Gestalt der Arbeit, w…

  4. 1929-01-01 · Heft 1 · page 116

    Nur wer sich abzuwenden wagt von der Wahrheit, um sich binden zu lassen von der geliebten Erde, kann die auswendig geschaute Wahrheit inwendig anziehen. Diese Verwandlung macht Wahrheit anwendbar und beständig. Die flüchtigen menschlichen E…

  5. 1929-01-01 · Heft 1 · page 117

    1918, nur in gefrorenem statt in revolutionärem Boden? Es sieht nur so aus. Denn dort, wo wir uns überwinden, auch rückwärts zu leben, dort gibt es vermutlich weder 1929 noch 1918, sondern immer das Jahr Eins: Die Zeitrechnung des Herzens k…

  6. 1929-01-01 · Heft 1 · page 118

    KARL NÖTZEL DIE VERWIRKLICHUNG DES MENSCHEN IM RUSSEN 1 Eines wurde mir vor allem klar am russischen Menschen, als ich ihn fast ein Menschenalter hindurch täglich um mich hatte in seiner ursprünglichen Verwirklichung: als Bauer, der Fabrika…

  7. 1929-01-01 · Heft 1 · page 119

    ist, interessiert den Russen gar nicht, ist für ihn nicht vorhanden. Freilich könnte er auch gar nicht begreifen, was es eigentlich heißt, irgendwo auf das ganze Menschtum zu verzichten, sich von irgendwem vollmenschliche Auswirkung verbiet…

  8. 1929-01-01 · Heft 1 · page 120

    zog sich keiner Verantwortung, er hatte nur selber keinen Anteil, gar keine Schuld an der grenzenlosen Not des Volkes, der man nirgends auf russischem Boden entgehen konnte. Er verbrauchte wirklich nicht mehr von den Gütern dieser Erde für …

  9. 1929-01-01 · Heft 1 · page 121

    über — und alles kann von neuem beginnen: der ganze Aufbau der Gemeinschaft. Nur muß das jetzt vom andern Ende aus geschehen: jenseits der Furcht und jenseits der Begierde und damit auch jenseits jeder Gegenstimmung gegen irgendwen, in wach…

  10. 1929-01-01 · Heft 1 · page 122

    kann, was irgendwie eine Gefährdung bedeuten könnte für dasjenige in uns, worin wir unser höchstes Gut erfassen: für unser Wohlwollen für alle Kreaturen, für unsern wachen Willen für den Menschen, für unsere nie rastende Liebe zu ihm, die k…

  11. 1929-01-01 · Heft 1 · page 123

    dingungslos freie Verhalten von Mensch zu Mensch bleibt unberührt davon! Hier fassen wir wohl auch den Urgrund der Lebensgewißheit des russischen Menschen, und zugleich damit auch das esen jeder Furchtlosigkeit vor dem Geiste, und so geht u…

  12. 1929-01-01 · Heft 1 · page 124

    läßt, ihm keinerlei Hemmnisse mehr in den Weg legt, ihm nur den Seelenboden nimmt, worauf es anprallen könnte, so daß es in die leere Luft verpufft, weil ihm ja die beabsichtigte Aufnahme verwehrt ward: da das Böse den nicht beleidigte, den…

  13. 1929-01-01 · Heft 1 · page 125

    Mund auftaten, in sittlichen Dingen um Rat gefragt - und immer war ich erstaunt und ergriffen durch die Festigkeit, ja Selbstverständlichkeit ihrer stets einwandfreien und in größter Bescheidenheit vorgebrachten Meinungen. Diese Menschen be…

  14. 1929-01-01 · Heft 1 · page 126

    ihnen ausgestellten Freibriefe einfach zerrissen. Und so wird es an diesem äußersten Fall ohne weiteres klar, daß der Mensch jeder Gewalt seines Mitmenschen innerlich und tatsächlich entschlüpft, wenn er wirklich in allen Schickungen, die ü…

  15. 1929-01-01 · Heft 1 · page 127

    zugrunde gegangen waren, dort irgendwo in einem Dorfe ein alter Bauer erzählt hatte: damals seien die Menschen aufgeschwollen wie Wasseräpfel einhergegangen, und Turgenjeff dann frug, ob es denn damals gar keine Aufstände gegeben habe — rie…

  16. 1929-01-01 · Heft 1 · page 128

    läßt durch die Dinge. Solche wesentliche Unabhängigkeit von dieser Welt inmitten von ihr kann nur fußen in freier Bezüglichkeit auf das, was hinter dem Greifbaren steht - und das ist für den Russen immer und überall das Reich Gottes, als ei…

  17. 1929-01-01 · Heft 1 · page 129

    Einwirkung auf sie so bleibe, wie wir möchten, daß unsere Mitmenschen auf uns einwirkten. Und das ist hier doch wohl der einzige Maßstab. Und so ist das auch bei dem Russen: alles verläuft bei ihm ohne jeden Zwang. Was er Böses tut, geschie…

  18. 1929-01-01 · Heft 1 · page 130

    vom Stofflichen auf, als der einfache Russe (deshalb konnte auch einer seiner berufensten Deuter, Wladimir Solowjoff, das Recht der Materie auf Vergeistigung zur russischen Forderung erheben). Das ist ein Mensch (so erschien er mir wenigste…

  19. 1929-01-01 · Heft 1 · page 131

    8 Menscktum erweist sich in allrussischer Verkörperung als etwas schlechthin Unabschüttelbares, als etwas, was für sich da ist und durch gar nichts, was von außen her an den Menschen herangetragen werden kann, in seinem Wesenskern berührt w…

  20. 1929-01-01 · Heft 1 · page 132

    in diese Welt, in der der Einzelne längst schon gar nichts mehr bedeutet, und die streitet, schilt, verleumdet und mordet um des materiellen Vorteils größerer oder kleinerer Gemeinschaften und um der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen …